Häufige gestellte Fragen (FAQ)

Stand: 03.10.2018

Seit aus der Webpräsenz “KOW-Reflexionen” das Magazin “NEURONENSTURM” wurde, gingen viele Fragen zu Zweck, Ziel und Anliegen in der Redaktion ein, welche hier fortlaufend vom Betreiber Kurt O. Wörl in Interviewform beantwortet werden sollen. Der Beitrag wird auch künftig fortgeschrieben und wird mit dem jeweiligen Datum das aktuellen Standes versehen.

Warum NEURONENSTURM?

Die Webpräsenz gibt es schon über 10 Jahre und trug bis April des Jahres den Titel “KOW-Reflexionen”. Ich hatte darin meine Gedanken zu Themen der Zeit niedergeschrieben, gewissermaßen als eine Art öffentliches Tagebuch. Ob ich damit überhaupt nennenswerte Leser erreichte, war mir damals nicht wichtig. Das habe ich eher für mich selbst unternommen, freute mich aber stets über Rückmeldungen.

Was war der Anlass?

Als nach wie vor in der Wolle gestrickter Sozialliberaler trat ich 2008, nach fast 34 Mitgliedsjahren, aus der FDP aus. Anlass war die Zustimmung der Liberalen zum EU-Vertrag zu Lissabon, den ich damals bereits für bedenklich und falsch hielt und der sich heute zunehmend als die eigentliche Ursache für die Erosion der EU herausstellt. Wenn man keiner politischen Partei mehr angehört – und auch nie wieder angehören möchte – benötigt man andere Mittel, sich und seine Auffassung zu äußern. Der Graswurzel-Journalismus per Online-Präsenz schien mir geeignet.

Deswegen haben Sie die FDP verlassen? Keine Partei kann jedem einzelnen Mitglied zu 100% gerecht werden. Kompromisse sind doch ein Merkmal der Demokratie: mal gewinnt man, mal unterliegt man. War die Zustimmung der Liberalen zum EU-Vertrag wirklich der einzige Grund?

Das ist schon richtig. Ich bin selbst jemand, der im Widerstreit der Meinungen Konsens dem Dissens allemal vorzieht. Kompromissbereitschaft ist eine Tugend aller Demokraten. Die Zustimmung der Liberalen zum EU-Vertrag war auch nicht der einzige Grund. Sie war aber der konkrete Anlass, der berühmte Tropfen, der das Fass schließlich überlaufen ließ. Die Gründe hingegen sammelten sich in diesem Fass im Laufe meiner Parteimitgliedschaft in immer rascherer Folge bis zum Überlauf an.

Können Sie einige benennen?

Kann ich! Allerdings muss ich vorher ein bisschen ausholen: Ich trat 1974, damals 19jährig, in die FDP ein. Es war gerade Wahlkampf für die Landtagswahlen in Bayern und Alfons Goppel war bayerischer Ministerpräsident. Bis dahin politisch noch auf der Suche, hatte ich mich allerdings schon etwas mit liberalen Weltsichten auseinandergesetzt, sie faszinierten mich und zogen mich an. Das Auftreten der anderen Parteien stieß mich eigentlich immer eher ab.

Meine Entscheidung, der FDP als Mitlied beizutreten, fiel schließlich nach einer Begegnung mit Hildegard Hamm-Brücher, in deren Stimmkreis mein Wohnort Wendelstein damals lag. Ich lernte sie im Straßenwahlkampf, an einem Infostand der FDP, persönlich kennen. Ihren Werdegang kannte ich schon ein bisschen, vor allem ihre geistige Nähe zur Weißen Rose. Die Grande Dame der Liberalen, der ich am Infostand damals sehr provokative Fragen stellte, hat mich mächtig mit ihren tiefgehenden und geduldigen Antworten beeindruckt, vor allem, weil sie recht offen darüber sprach, warum sie selbst nur in einer liberalen Partei zu Hause sein könne. So frech wie ich meine Fragen stellte, hätte ich auch akzeptieren müssen wenn sie mich einfach vom Infostand davongejagt hätte. Stattdessen schenkte sie mir ein Büchlein von Karl-Hermann Flach mit dem Titel “Noch eine Chance für die Liberalen?” – Ich bot mich daraufhin spontan an, ihre Wahlprospekte mit zu verteilen.

Und sie überreichte mir bei der Gelegenheit auch ein Exemplar des seit 1971 geltenden Wahlprogramms der FDP, die Freiburger Thesen“. Dieses fand ich auf Anhieb überaus ansprechend, besonders die vier zentralen Thesen darin:

  • „Liberalismus nimmt Partei für Menschenwürde durch Selbstbestimmung“
  • „Liberalismus nimmt Partei für Fortschritt durch Vernunft“
  • „Liberalismus fordert Demokratisierung der Gesellschaft“
  • „Liberalismus fordert Reform des Kapitalismus“

Die Liberalen hatten als erste Partei auch den Umweltschutz thematisiert und sie waren exakt auf der Linie der erhard’schen Sozialen Marktwirtschaft, wollten den Kapitalismus in sozialen Schranken bändigen. Das war mein Ding!

Dann allerdings, anfangs der 1980er Jahre, als die FDP die sozialliberale Koalition im Rahmen eines Misstrauensvotums aufkündigte, sich vor allem aus den enttäuschten linksliberalen die “Grünen” gründeten (sie übernahmen auch die Jugendorganisation der FDP, die Jungdemokraten und einen Großteil der “Freiburger Thesen”, inklusive Tippfehler) und als der damalige Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff wegen Steuerhinterziehung zurücktreten musste (und verurteilt wurde), stellten sich erste Zweifel bei mir ein, ob ich noch der richtige Partei angehöre. – “Es gibt ja nur eine liberale Partei, du musst bleiben!” tröstete ich mich immer wieder und blieb.

Mit Hans-Dietrich Genscher trat 1992 allerdings dann der letzte aufrechte, durch den Terror der Nazis, dem Holocaust und ihrem wahnsinnigen Weltkrieg mit einer festen demokratischen und verantwortungsbewussten Haltung ausgestatteten, großen Liberalen von der politischen Bühne ab. Von da an ging es mit der FDP als liberale Komponente bergab. Sie verkam mit kindischen Wahlkampagnen wie der Strategie 18% oder der “Partei der Besserverdiener”  zunehmend zu einer Klamauk- und Klientelpartei und man musste sich an den Infoständen dafür oft schämen. Die FDP verließ ihren sozialliberalen und schlug einen gnadenlos “neoliberalen” Kurs ein. Widerwärtig fand ich auch Jürgen Möllemanns anti-israelische und pro-palästinensische Agitation. Deswegen verließ auch Hildegard Hamm-Brücher 2002 die FDP. Das setzte sich auch unter Guido Westerwelle fort. Wieder war ich im Zweifel, blickte auf meine Mitgliedskarte und las meine Mitgliedsnummer: 1111111. “Wer hat schon so eine Schnapszahl als Mitgliedsnummer, das hat etwas zu bedeuten” dachte ich – und blieb dabei.

Jedenfalls stand dann 2008 die Ratifizierung des Lissaboner EU-Reformvertrags an. Ein Machwerk, das in ähnlicher Form vorher bereits als vorgesehene Verfassung für Europa an diversen Referenda in mehreren EU-Mitgliedsstaaten scheiterte, nur noch komplizierter als der Verfassungsentwurf. Der neue Vertrag, mit dem aus der Europäischen Gemeinschaft (EG) die Europäische Union (EU) wurde, manifestierte einen europaweiten, “neoliberalen” Kurs brutalsten Ausmaßes. In ihm wurde auch eine Militarisierung Europas manifestiert und er beinhaltet sogar die Möglichkeit, dass Mitgliedsstaaten die Todesstrafe beibehalten oder gar wiedereinführen können, und dass bei Aufruhr zur Niederschlagung auf Menschenmengen geschossen werden kann. Das Fass lief für mich über, ich konnte und wollte nicht mehr in dieser Partei bleiben, nachdem auch die Liberalen dem Vertrag zustimmten und dies, obwohl den Abgeordneten das gesamte Vertragswerk bei der Abstimmung überhaupt nicht vorlag. Die Abgeordneten verhielten sich wie Stimmvieh und hoben die Hand entsprechend der Empfehlung ihrer Fraktionsführungen – auch die FDP tat dies. Der Bundestag ratifizierte diesen Vertrag, ohne ihn im Wortlaut überhaupt zu kennen. 

Der Vertrag trat 2009 in Kraft, inmitten der weltweiten Finanzkrise. Doch der Vertrag untersagte den Mitgliedsstaaten, in den freien Handels- und vor allem Finanzverkehr einzugreifen. Wer sich wundert, warum die Banken nach dem Crash ihrer Casinospiele nicht wieder deutlicher reguliert wurden, findet hier die Erklärung. 

Der Header von NEURONENSTURM bezeichnet die Präsenz als “Magazin für die bürgerliche Mitte – frei- liberal -sozial – unabhängig – säkular – ideologieabweisend”. Was ist damit gemeint?

Genau das was da steht ist gemeint. Um es näher zu erläutern:

Zum “Magazin für die bürgerliche Mitte”: Das Gros der deutschen Medien, auch der öffentlich-rechtlichen, haben – mit wenigen Ausnahmen – mehrheitlich die bürgerliche Mitte nicht mehr im Blickfeld, obwohl diese in der Gauß’schen Verteilungskurve die überwältigende Mehrheit in der Bevölkerung bildet. Es wird vorwiegend aus einer Perspektive “links” von der Mitte und zunehmend tendenziös berichtet. Nachrichten werden nicht mehr nüchtern vorgetragen, sondern von den Journalisten auch gleich bewertet und so dargestellt, wie sie der Medienkonsument nach ihren Vorstellungen auch zu bewerten hat. Die Trennung zwischen nüchterner Nachrichtenmeldung und Kommentar, der nur eine einzelne Meinung wiedergibt, verwischt zunehmend.

  • Beispiele: Erfolgreiche, reiche Unternehmer des Westens werden “Leistungsträger” genannt, solche in Russland abwertend “Oligarchen”, obwohl beide von derselben Habgier getrieben sind.
  • Verbrecher und Terroristen, sofern sich ihre Verbrechen gegen ungeliebte Regime richten, nennt man euphemistisch “Aktivisten”.
  • Während Gewalttaten – bis hin zum Mord – durch Migranten nur ganz geringe Sendezeit eingeräumt und in den Blättern nur Randnotizen gewidmet werden, werden auch nichtige unschöne Ereignisse aus dem “rechten” Spektrum von der Mücke zum Elefanten aufgeblasen. Und die Opfer der Gewalttaten bekommen praktisch überhaupt keine Sendezeit, es sei denn, es handelt sich zufällig um Migranten. Jede auch noch so berechtigte und rechtmäßige Abschiebung illegal Eingewanderter erfährt weitaus mehr mediale Aufmerksamkeit, erzeugt mehr Betroffenheit als die Opfer von Gewalttaten. Die Täter kennen wir bald beim Namen, die Opfer eher selten. Die Täter erhalten sogar eigene WikiPedia-Einträge, oft mit Lebenslauf. Aber die Opfer?
  • Obwohl es reichlich Populisten “links” und “rechts” der bürgerlichen Mitte gibt, wird das Nomen seit dem Einzug der AfD in den Bundestag fast ausschließlich abwertend gegen rechts-konservative Politiker gebraucht. 

Insgesamt ist mir das zwar nicht wichtig, weil ich mich selbst gegen den Irrsinn, der sich jenseits der bürgerlichen Mitte abspielt, wende. Jedoch zeigt dies die einseitige Berichterstattung vieler Medien deutlich auf. Dass private Sendeanstalten, Print- und Online-Medien evtl. eine eigene Agenda fahren, ist dabei nicht einmal zu beanstanden, NEURONENSTURM hat auch eine. Die Qualität kommt dann in den Journalismus, wenn man auch mit einer Agenda auf Fairness setzen mag. Von den öffentlich-rechtlichen Medien allerdings erwarte ich größtmögliche Neutralität bei der Berichterstattung – und dass Nachricht von Meinung deutlich erkennbar getrennt bleiben. Und das sehe ich seit einigen Jahren nicht mehr sichergestellt.

Jedenfalls finde ich die Aufmerksamkeit, welche die Medienlandschaft den Randgruppen und Minderheiten widmet, während die Sorgen und Nöte der großen bürgerlichen Mitte kaum mehr Thema sind, nicht angemessen. Ich sehe darin auch einen der Hauptgründe, warum über 70% der AfD-Wähler diese Partei nur aus Protest und nicht wegen ihrer Ziele wählen. Dem will ich mit meinen homöopathischen Mittel etwas entgegensetzen.

Zu “frei, liberal und sozial”: Nur weil ich nicht mehr der FDP angehöre heißt das ja nicht, dass ich meine sozialliberale Grundhaltung aufgegeben hätte. Wie man als Christ auch ohne Kirchenzugehörigkeit fromm sein kann, so kann man auch eine politische Grundhaltung außerhalb von Parteien pflegen. NEURONENSTURM steht fest in dieser Kontinuität. 

Zu “unabhängig”: NEURONENSTURM ist ein privates Projekt. Weder muss NEURONENSTURM auf Sponsoren noch auf Werbekunden Rücksicht nehmen, weil es solche nicht gibt. Der Graswurzel-Journalismus des Magazins fühlt sich lediglich der bürgerlichen Mitte verpflichtet und das ist eine Selbstverpflichtung ohne äußere Einflüsse.

Zu “säkular”: NEURONENSTURM nimmt keine Rücksicht auf Konfessionen oder andere Wahnsysteme noch auf religiöse “Gefühle”. Die strikte Trennung von Staat und Kirche, der Säkularismus, ist eine Richtschnur des Magazins.

Zu “ideologieabweisend”: Ideologien sind Kopfgeburten, künstliche Idealvorstellungen, meist ohne Bezug zu den Realitäten im menschlichen Zusammenleben, egal, in welchem weltanschaulichen Spektrum sie sich selbst verorten. Und Ideologien sind nach meiner Wahrnehmung auch stets außerhalb des bürgerlichen Spektrums angesiedelt. Ideologien werden immer per Gesinnungsmoralismus und ohne Rücksicht auf die Folgen ihrer Durchsetzung verfolgt. Wenn sich “Linke” und “Rechte” gegenseitig angiften, tun sie dies immer aus Gesinnungsgründen, eine sachbezogene Auseinandersetzung findet nie statt.

NEURONENSTURM steht hingegen fest auf dem Boden der Verantwortungsethik, wie sie Max Weber einst formuliert hatte: Das größtmöglichen Glück für die größtmögliche Anzahl von Menschen ist also eine weitere Richtschnur für das Magazin. NEURONENSTURM gibt Gesinnungen keine Chance. Und zwar aus Gesinnung!

Es fällt auf, dass NEURONENSTURM erkennbar selektiv vorgeht. So verlinkten Sie nur zu den Wahlprogrammen und Websites der Parteien CDU, CSU, FDP, ÖDP, Freie Wähler und SPD? Ist das so gewollt?

Gut beobachtet und ja, das ist so gewollt. NEURONENSTURM ist ein Magazin für die politische Mitte. Ferner ist NEURONENSTURM ideologieabweisend, Sie erinnern sich? 

Die Grünen und die AfD gehören demnach nicht der bürgerlichen Mitte an? Die Grünen können doch inzwischen ganz gut mit den Schwarzen?

Sagen wir so: Ein Großteil der Wähler dieser beiden Parteien mag sicherlich dem bürgerlichen Spektrum zuzurechnen sein, wahrscheinlich sogar die allermeisten. Aber die Wähler sind nicht die Parteien und auch nicht deren Protagonisten. Beide Parteien agieren populistisch und forcieren den Gesinnungsmoralismus. Die AfD steht mit ihrer Affinität zu völkisch-rechten Kräften zweifellos außerhalb des bürgerlichen Spektrums und die Grünen haben sich in ihrem überzogenen Minderheitenwahn verfangen und das Gros der Bevölkerung aus dem Blick verloren.

Aber wäre es nicht demokratischer, das ganze politische Spektrum abzubilden?

Ich denke nicht. Wäre es wirklich demokratischer, gesellschaftsfeindlichen Kräften immer mehr Spielwiesen zur Verfügung zu stellen? Linke, Grüne und AfD beherrschen doch längst den Medienmarkt im Übermaß, mal mit Ausschreitungen bei Gipfeltreffen, mal gegen die Migrationspolitik der Bundeskanzlerin, mal als Möchtegern-Che-Guevaras im Hambacher Forst. Ich finde eher, sie sind alle – vor allem Grüne und AfD – medial völlig überrepräsentiert, während in den meisten Medien die bürgerliche Mitte kaum mehr vorkommt. Diese Omnipräsenz muss NEURONENSTURM nicht auch noch stärken.

Neben eigenen Beiträgen verlinkt NEURONENSTURM aber auch auf viele “Fundsachen” in anderen Medien, ist das kein Widerspruch?

Keineswegs! In den wahrlich seltenen Fällen, in welchen sich Kolumnisten in anderen Medien wirklich vernünftig und verantwortungsbewusst äußern, wäre es dumm, diesen Beiträgen nicht zu einer breiteren Reichweite zu verhelfen. Was richtig ist ist richtig und NEURONENSTURM muss ja nicht zu jedem Thema das Fahrrad selbst neu erfinden.

Sie haben also über deutsche Medien keine hohe Meinung?

Sie schwindet, fast täglich. Die deutschen Medien erscheinen mir heute eher als Angela Merkels allzu willige Applaus-Kulisse, als dass sie die Regierung, wie es die eigentliche Aufgabe der “Vierten Gewalt” wäre, kritisch begleiteten. Freilich, die Nachrichten verfolge ich schon, ich lese auch die regionalen Zeitungen und eine überregionale Wochenzeitung und zwinge mich auch zu Talkshows wie “Anne Will”, “Maischberger”, “Maybrit Illner” und “Markus Lanz”. Nicht immer mit Freude. Aber wie soll man auch anders die sog. Mainstream-Medien kritisch begleiten, wenn man sie nicht real beobachtet? – Natürlich mache ich das immer mit dem Wissen, dass die Wahrheit ein Biest ist und selten in voller Pracht in Deutschland mediale Verbreitung findet.

Sind Medien im Ausland denn besser?

Jein! Und was heißt schon “besser”? Anders sind sie, würde ich sagen. In der Schweiz, in Österreich und vor allem aber in Dänemark wird allerdings doch noch etwas mehr wert auf politische Neutralität und journalistsches Ethos gelegt, vor allem in den öffentlich-rechtlichen Medien. Und dann ist der Blick auf Deutschland in den Auslandsmedien ja ein Blick von außen und damit nicht nur in Nuancen etwas objektiver. Vor allem fällt mir auf, dass die Medien in den genannten Ländern ihre Hauptaufgabe noch in der Berichterstattung, im Aufdecken von Hintergründen und nicht im Vorkauen gewünschter Interpretationen sehen. In Deutschland gewinnt man bisweilen den Eindruck, hiesige Medien verzichten zunehmend auf Neutralität (welche vor allem bei den öffentlich-rechtlichen ein Muss wäre) und beanspruchten für sich zusätzlich noch eine Art Deutungshoheit und Erziehungsauftrag. Man versteht sich als eine Art “Meinungselite”. Wer dagegen aufmuckt wird medial gnadenlos fertig gemacht, wie dieser Tage Verfassungspräsident Maaßen verspüren durfte. Kann man sich in Deutschland überhaupt noch investigativen Journalismus, wie damals zur Barschel-Affäre, vorstellen?

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Dänemark, der Sender DR, hatte ein ähnliches Glaubwürdigkeitsproblem wie die deutschen Sendeanstalten seit Jahren. Bei Umfragen erzielten sie durchwegs max. 35% Glaubwürdigkeit in der Bevölkerung, ganz ähnlich, wie das heute die deutschen Anstalten nur vorweisen können. Der Nachrichten-Chef des DR räumte dann auf und verordnete seinen Mitarbeitern eine strikt neutrale Berichterstattung mit der Vorgabe, dass Politiker aller Parteien gleich zu behandeln sind, keine eigene politischen Agenda mehr in die Berichterstattung einzuweben ist und auf abwertende Begriffe wie “Populisten” etc. verzichtet wird. Mit durchschlagendem Erfolg. Im Inland erfreut sich der DR jetzt wieder einer 80%igen Glaubwürdigkeit und der Nachrichten-Chef, dem der Sender das zu verdanken hat, berät inzwischen auch ausländische Sendeanstalten, darunter die BBC. Diesem Vorgang hat NEURONENSTURM  bereits 2016 einen Beitrag gewidmet. Und ganz nebenbei können sich Dänemarks “Rechte” auch nicht mehr als Medien-Opfer einer “Lügenpresse” darstellen. Sie wurde so mit Objektivität und Fairness ziemlich marginalisiert. 

Den Tiefpunkt erreichte die deutsche Journalie sicherlich im Zuge der Massen-Immigration 2015 mit welchem sie wie besoffen über Wochen und Monate eine “Refugees welcome”-Kampagne fuhren und wie ein gleichgeschalteter Propaganda-Apparat auftrat. Freilich platzte diese virtuelle Propagandablase nach der denkwürdigen Silvesternacht 2015/16 wie ein Luftballon – und mehr als heiße Luft war da ja auch nicht drin. Wer sich über den Zulauf bei Pegida und AfD seit dieser Zeit wundert, er darf sich – außer bei Angela Merkel – auch beim deutschen Gesinnungsjournalismus bedanken.

Ein hartes und pauschal wirkendes Urteil, finden Sie nicht?

Nein, finde ich nicht, denn es ist schlicht zutreffend. Allerdings, ich habe es bereits angesprochen: hie und da tönt aus der wie besoffen wirkenden, deutschen Medienkakophonie ein leises Tönchen der Vernunft hervor. Dieses Tönchen landet dann als “Fundsache” auf NEURONENSTURM. Das ist unsere Art der Differenzierung, um  dem Vorwurf der Pauschalierung entgegenzutreten.

Auf der Seite “Spielregeln” betonen Sie den Verzicht auf das Femininum. Warum sollen Frauen in den Beiträgen von NEURONENSTURM nicht sichtbar werden?

Richtige Feststellung, falsche Schlussfolgerung. Da unsere Autoren grundsätzlich Menschen ansprechen, sind alle Geschlechter – die natürlichen und von mir aus auch die im “linken” Genderwahn künstlich kreierten, virtuellen – beinhaltet. Wenn sich Frauen zu den Menschen zählen wie ich es tue, dürfen sie sich also gerne angesprochen fühlen. Wenn sie nicht einfach nur Mensch sein wollen, wer hat dann ein Problem? Ich jedenfalls nicht.

Der Verzicht auf das Femininum hat praktische aber auch ideelle Gründe. Zu den praktischen gehört die Tatsache, dass NEURONENSTURM für fremdsprachige Leser den Google-Translator zum Übersetzen nutzt. Die Ergebnisse der automatischen Sprachübersetzer sind – je nach Sprache – ohnehin schon nicht besonders berauschend. Das nur in Deutschland so überzogen geforderte Femininum erzeugt bei der automatischen Übersetzung aber noch weitaus mehr Übersetzungsmurks. Ferner sind Texte ohne das krampfhaft eingebundene Femininum stets flüssiger und besser lesbar. Wir verwenden die traditionell gewachsene Sprache, auch wenn diese – zugegeben – maskulinlastig ist. Außerdem birgt dieser Genderismus in Texten auch ein ziemliches Risiko: Ausgerechnet die Genderwahnsinnigen von den Grünen sind mit ihrem Parteiprogramm dabei kräftig auf die Nase gefallen. Das von Henry M. Broder gegründete Meinungsportal “Achse des Guten”, hat das Parteiprogramm mit Blick auf die Geschlechtergerechtigkeit regelgerecht auseinander genommen. Vorsicht, man kommt schwer wieder aus eine Lachanfall heraus.

Außerdem: Fremdsprachler verzweifeln ohnehin schon an der Logik in der Deutschen Sprache: Der Dampfer, das Schiff, die Andrea Doria; oder der Wagen, das Auto, die Limousine; oder die Frau, das Mädchen, das Weib aber dann auch noch das Eigentum der Frauen. Man lese dazu den unterhaltsamen Essay von Mark Twain: “Die Schrecken der deutschen Sprache“. 

Oder: In den meisten Sprachen ist die Sonne männlich, der Mond weiblich, nur im Deutschen ist es umgekehrt. Dabei wird das aktiv Leuchtende der Sonne in der Mythologie schon immer dem Männlichen, das passiv Reflektive des Mondes schon immer dem Weiblichen zugeordnet. Logisch ist das nicht.

Und ideell lassen wir uns nicht gerne von “Links”-Feministen vorschreiben, wie wir zu schreiben und zu sprechen haben, abgesehen davon, dass fast alle Vorschläge aus dieser Richtung sprachlich falsch und regelwidrig sind. Dort, wo das Femininum schon immer Regel war, verwenden wir es auch, solange es flüssig zu lesen ist, etwa wenn es zum besseren Verständnis erforderlich ist, um z.B. bei Hunden Rüde und Hündin auseinander zu halten. Und es macht da schon einen Unterschied, ob man neben sich im Bett einen Liebhaber oder eine Liebhaberin liegen hat. Eine der wenigen Situationen, in welchen die biologische Ausstattung von Menschen überhaupt Bedeutung hat.

Bei Berufen gibt es bei uns kein Femininum, weil jeder Beruf ein Unisexberuf ist, der von Mann und Frau in gleicher Weise ausgeübt werden kann. Wie in der von Ihnen zitierten Seite bereits erwähnt, ist das unser Beitrag zur Gleichbehandlung: Wenn gleiche Arbeit bei gleichem Lohn eine richtige Forderung ist, dann kann die gleiche Berufsbezeichnung bei gleicher Tätigkeit nicht falsch sein. Oder hat es beim Metzger irgend eine Bedeutung, welche Genitalienausstattung die Person in der Hose hat, die uns Fleisch und Wurst verkauft? Und da Männlein und Weiblein im Englischen mit Unisex-Berufsbezeichnungen schon immer gut klar kommen, warum sollten wir Deutschen es dann nicht? 

Zum Nachdenken:

Statt den umständlichen “*Innenwahn” erzwingen zu wollen wäre es vernünftiger – wie im Englischen – nur noch einen Artikel zu nutzen: Wie wäre es, statt der/die/das künftig nur noch “de” zu verwenden? Da steckt das “de” von “d(i)e” und das “de” von “de(r)” drin und auf “das” könnte ganz verzichtet werden: de Mann, de Frau, de Kind und man könnte sogar noch eine leichte, französische Eleganz in unsere Sprache bringen, wenn man auf einen Buchstaben verkürzt d’Mann, d’Frau, d’Kind, d’Auto, d’Flugzeug usw. Wir Bayern hätten damit kein Problem, werden die Artikel in manchen Gegenden ohnehin so gekürzt ausgesprochen. Sogar bei Verwendung der unbestimmten Artikel wäre es simpel: en Vater, en Mutter, en Kind. Happig wird’s bei den Kasus, den vier Fällen, da habe ich noch keine Lösung parat, wie man Possesivartikel und -pronomen einigermaßen geschlechtsneutral hinbekommen könnte. 

WIRD LAUFEND ERGÄNZT

 

 

 

 

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