Mit dem SUV zum Protest gegen Segelflieger:

Intolerante Städter auf dem Lande

Autor: Kurt O. Wörl
 
Man kennt das ja: Der von Lärm- und Wohnpreisen geplagte Städter sucht seine Ruhe auf dem Lande, wo die Natur nahe und Grundstücke preiswert sind, das Bauen mithin billig ist.

Das Wohnen dort soll aber nicht billig sein, sondern wertvoll werden. Also muss von dort dann alles verschwinden, was dem Idealbild des ruhesuchenden Neubürgers und Billigbauers nicht gerecht wird. Man klagt gegen quakende Frösche, über das Plätschern von Dorfbrunnen, gegen krähende Hähne, gegen Kuhglocken, manchmal gegen das sonntägliche Glockenläuten. Manche haben ihren neuen Wohnsitz noch gar nicht angemeldet, da stellen sie schon Anträge auf Verkehrsberuhigung und Tempolimits vor dem künftigen Traumhaus in der Natur. Und besonders gerne engagiert man sich dann schon mal gegen seit Jahrzehnten bestehende Sportflugplätze und ihren Flugbetrieb, von welchem sich die Stammbevölkerung vorher nie gestört fühlte, auch nicht, als es noch keine geräuschreduzierten Flugzeuge gab.

Man hat sogar schon gegen Segelflieger Beschwerde geführt, weil die in einer Thermikblase über dem Haus in großer Höhe kreisten und die barbusige Sonnenanbeterin sich auf ihrer Terrasse “beobachtet” fühlte.

Wo käme man da im Land der Neidhammel und Missgünstigen auch hin, wenn man für den Freizeitspaß von Anderen Beeinträchtigungen in der eigenen Komfortzone hinnehmen müsste. Zur “Bürgerinitiative gegen Fluglärm” fährt man standesgemäß natürlich mit dem SUV – Allradbetrieben versteht sich – man lebt ja auf dem Land – und dort sind die Schadstoffkonzentrationen ja nicht so arg, dass man sich 15 Liter oder mehr Spritverbrauch auf 100 km schon genehmigen kann. Beim Kampf gegen Störer der Komfortzone sind dann allerdings alle Mittel recht, auch Falschbehauptungen, Unterstellungen und falsche Verdächtigungen, wie in dem u.a. Fall in Gauchsdorf.

Offenbar ist es so: Emissionen lebendiger Anderer muss scheinbar nur der Stadtmensch erdulden, etwa wenn man mit dem SUV mal vom Land zu “Rock im Park” oder zum Norisringrennen oder zu anderen Lärmexzess-Events nach Nürnberg fährt. Die Anwohner sollen sich gefälligst nicht so haben. Man gönnt sich ja sonst nichts. Auch das allwöchentliche Krakelen besoffener Fussballfans ist nun mal des Stadtmenschen Schicksal, das er ertragen muss, wie auch den Fluglärm startender Verkehrsflugzeuge des nahe gelegenen Airports. Schließlich muss ja auch der Ruhebedürftige vom Lande von irgendwo mal in den Urlaub abfliegen können – Hauptsache, Ein- und Abflugflugschneißen liegen nicht über dem eigenen Grundstück – Und wenn doch, dann aber: Bürgerinitiative!

Freilich, auf dem Land hat man auch schon “Bürgerinitiativen” gegen den dörflichen Fußballverein gegründet, weil man für sein Haus das billige Grundstück neben dem Dorfbolzplatz gewählt hat. Ach, das Leben wäre so schön, wenn es doch nur keine Anderen, mit anderen Interessen gäbe.

Fundsache: Fliegervereinigung Schwabach weist Kritik zurück

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.