Pfauenhafte Überheblichkeit und Narzissmus sind keine guten Begleiter:

Habecks Ausrutscher häufen sich

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Autor: Kurt O. Wörl

Ich räume ein: nach seiner Wahl zum Bundesvorsitzenden der “Grünen” empfand ich den eloquenten, smarten Robert Habeck, nach vielen schrillen und inkompetenten Vorgängern, schon als angenehme Abwechslung. Mit Schaudern erinnere ich mich noch an Katrin Göring-Eckardt die – außer einem abgebrochenem Theologiestudium – nichts vorzuweisen hat(te), was an Kompetenz erinnern könnte; oder an die schrille Claudia Roth, welche auch nur auf ein abgebrochenes Studium als Ausbildung aufsetzen kann.

Mit Habeck aber jetzt einer, der Philosophie, Germanisik und Philologie studiert und in Philosophie sogar promoviert hat und deshalb einen echten Doktor-Titel tragen darf. Früher nannte man sowas eine humanistische Bildung. Ja, ich hörte ihm gerne zu, wenn er sehr selbstbewusst und sehr sachlich und fundiert seine Thesen vortrugt, auch wenn sie mich inhaltlich oft nur wenig ansprachen. Zusammen mit seiner Co-Vorsitzenden,  Annalena Baerbock, ebenfalls eine durchaus sympathische Erscheinung (nur ihrer schrillen Stimme kann ich nicht lange zuhören), dachte ich, nun hätten es die “Grünen” begriffen, dass ihre Zeit als Bürgerschreckpartei vorbei wäre.

Da habe ich mich offenbar gleich doppelt geirrt. Habeck setzt nach wie vor auf das Erschrecken der Bürger und zudem ist aus dem einst angenehmen Plauderer und Erklärer inzwischen ein ziemlich aufgeblasener Schrägredner, mit demagogischen Allüren geworden. Einer, der zunehmend mit narzisstischen und überheblichen Äußerungen Schlagzeilen macht und im ansteigenden Bockgesang seiner Politik auch gerne das  Adjektiv “radikal” in den Mund nimmt. Seine verbalen Aussetzer begannen gefühlt im April letzten Jahres mit einem Interview, das er dem Debatten-Kanal “Informr” gewährte. Im Rahmen des Interviews wurde er auch um Statements zu verschiedenen Begriffen befragt. Einer der Begriffe war “Volksverräter” Er antwortete darauf ganz richtig,“Ist eine Nazibegriff!” Damit wäre alles gesagt gewesen, denn mehr gibt es zu dem Begriff eigentlich gar nicht zu sagen. Leider setzte er noch nach mit: “Es gibt kein Volk, und es gibt deshalb auch keinen Verrat am Volk, sondern das ist ein böser Satz, um Menschen auszugrenzen und zu stigmatisieren.”

Die Folge war ein heftiger Shitstorm, vor allem aus der “rechten” Szene. Wenn auch die Tiraden aus der Szene unterirdisch waren, die Kritik an seiner Aussage trifft Robert Habeck aber natürlich völlig zurecht – und das gleich aus mehreren Gründen. Habeck hat mit seiner Antwort sowohl inhaltlichen, als auch faktischen Unsinn geredet. Grammatisch betrachtet ist der Begriff “Volksverräter” schon mal mal kein Satz, sondern nur ein Wort, allenfalls ein Satzbaustein. Ferner nihiliert er damit auch noch das Grundgesetz unseres Landes, das in vielen seiner Artikel das Volk explizit erwähnt, z.B., dass alle Macht vom Volke ausgehe. Und wenn er sich vielleicht auch einmal das Reichstagsgebäude von außen ansehen würde, würden ihm vielleicht die großen Lettern über dem Hauptportal auffallen und er könnten in Versalien verfasst lesen, wem das Gebäude gewidmet ist: “DEM DEUTSCHEN VOLKE!” – Und wer sich mit der Geschichte dieser Worte befasst, wird erfahren, dass sie dem Volke gar nicht gerne gestiftet wurden.

Im Blog seiner Webpräsenz ruderte Habeck dann in seinem Beitrag “Zweierlei Volk” am 08.05.2018 wieder zurück. Statt “es gibt kein Volk” spricht er jetzt gleich von “zweierlei Völkern und bedient sich einer spitzfindigen Relativierung durch die Redaktion von “Das Unwort des Jahres” (das ist eine Gruppe “linker” Sprachwissenschaftler). Immerhin bekennt er am Ende seines Beitrags: … “Daraus ist auch zu lernen, wie wichtig es ist, auf Präzision und sprachliche Differenzierung zu achten.” … Nun, möge genau das Herrn Habeck in Zukunft gelingen, aber sein Statement stimmt mich nicht milder. Wäre der Empörungskünstlerin Claudia Roth oder der frommen Katrin Göring-Eckardt dieser Fauxpas passiert, würde ich vielleicht schmunzeln, mitleidig den Kopf schütteln und ihnen eine Bildungslücke zubilligen. 

Robert Habeck kann diese Milde nicht erwarten. Er ist – wie eingangs erwähnt – promovierter  Philosoph, ist Schriftsteller (war bereits beim “Literarischen Quartett” zu Gast) und hat zudem noch Germanistik studiert. Sprache ist sein wichtigstes Handwerkszeug. Er hat damit eine Garantenstellung für den pfleglichen Umgang damit, weil ihm seine Ausbildung dafür besonders sensibilisiert haben sollte. Ihm muss es problemlos gelingen, keine missverständlichen Aussagen von sich zu geben.

Doch stattdessen tritt er im Herbst vergangenen Jahres erneut ins sprachliche Fettnäpfchen, als er ins Universum posaunte, dass mit starken Grünen bei anstehenden Landtagswahlen endlich auch Demokratie in die Bundesländer, damit auch nach Bayern, käme. Geht’s noch? Auch hier musste er sich öffentlich wieder zurücknehmen und erklärte wortreich, dass “es so gar nicht gemeint war”. Ja, wie denn dann?

Ich kann schon verstehen, dass der Erfolg der Grünen (fast ausschließlich zu Lasten der SPD) Habecks Selbstbewusstsein in schwindelerregende Höhen hat fliegen lassen. Erfolg kann wie eine Droge wirken. Die Trennlinie zur Hybris wird dann allerdings sehr leicht sehr, sehr dünn und ein vorher smart wirkender Politiker erscheint plötzlich wie ein selbstbesoffener Narzisst. Auch hier sollte man von Habeck eigentlich etwas mehr Fähigkeit zur Selbstreflexion erwarten können. Kann man aber offensichtlich nicht, denn anders kann man so ein zunehmend pfauenhaftes Auftreten, wie es Habeck an den Tag legt, kaum erklären, etwa als er sich mit Alexander Dobrindt über die bürgerliche Mitte stritt. Damit habe ich mich aber bereits im Beitrag

“Robert Habeck fällt aus der Rolle”

befasst.

Die Vermutung legt nahe, dass die an den Tag gelegte Hybris auch Ursache ist, warum in Umfragen Habecks Stern bereits wieder sinkt. “Selber schuld!” sagt man in Franken.

Foto: pixabay Creative Commons CC0


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