Chronologie eines medialen Mobbings:

Maaßen und die mediale Maßlosigkeit

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Autor: Kurt O. Wörl

Die “links”-gerichteten Parteien im Bundestag und Angela Merkels journalistische Applauskulisse üben sich weiterhin in der Forderung nach totaler Vernichtung des zurückgetretenen Leiters des Bundesamts für Verfassungschutz, Hans – Georg Maaßen. Töne und Zeitungszeilen beherrschen heute die linksliberalen Medien, wie man sie früher nur aus der BILD-Zeitung kannte. Das ist nicht mehr nur berechtigte Kritik, sondern eine zutage tretende, wohl auch vom Neid getragene Hassorgie, wie sie ihresgleichen früher allenfalls noch Franz Josef Strauß auf sich ziehen konnte.

Gut, wenn man sich nochmal den Anlass, des ganzen Theaters vergegenwärtigt (wir berichteten: Wie deutsche Medien Hetzjagden verifizieren):

Chronologie

Die Medien verbreiteten aus den sozialen Medien einen 19 Sekunden langen Videoclip, auf welchem man sieht, dass zwei Personen einer anderen nachlaufen, wovon eine aber ihren Spurt wieder abbricht. Ob der verbleibende Verfolger “erfolgreich” war und was ggf. danach geschah, geht aus dem Videoclip nicht hervor. 

Eine Gruppe von wenigen Leuten sieht dem Treiben zu und aus dieser Gruppe wird offenbar auch das Video aufgenommen. Eine Frauenstimme aus dem Off ruft etwas sächselnd “Hase du bleibst hier – du bleibst hier”. Unklar ist, wen sie dabei meinte. Anlass und Vorgeschichte des – ich nenne es mal – “Fangespielens” geht aus dem Clip nicht hervor. Um welche Gruppenzugehörigkeit es sich bei den Personen handelt ist nicht zu erkennen. Ein Mann ruft etwas nahezu Unverständliches – ich habe noch nur das Wort “fotzen” (synonym für hauen oder schlagen) oder “Fotzen” (derbes Wort für den menschlichen Mund oder weibliche Genitalien) verstanden.

Mehr ist dem Clip nicht zu entnehmen und es ist auch nicht feststellbar, wann er überhaupt entstanden ist. Bekannt ist nur, dass er von einem Twitternutzer, der sich “Antifa Zeckenbiss @AZeckenbiss” nennt mit dem Begleittext “Menschenjagd in #Chemnitz Nazi-Hools sind heute zu allem fähig. #FckNZS” am 26.08.2018 getweetet wurde. Hier zum Nachsehen noch einmal der Clip:

Man kann die Bilder noch so oft betrachten, man wird nicht herausfinden, warum die Szene überhaupt stattfand und wer die Leute sind. Der Tweeter behauptet eine “Menschenjagd” (Singular).

Die Medien, an diesem Tag selbst mit unzähligen Kamerateams vor Ort, griffen dieses private Video auf und verkündeten “Hetzjagden” (Plural) in Chemnitz und präsentierten im Fernsehen unzählige Male immer nur diesen  einen kurzen Videoclip als Nachweis für ihre Behauptung. Doch: neben den vielen Kamerateams der Fernsehsender dürften auch noch unzählige Smartphones vor Ort filmend im Einsatz gewesen sein. Dennoch konnten die Medien ihre Behauptung nicht mit anderem Videomaterial untermauern. Es blieb und bleibt bei dieser einzigen 19-sekündigen Sequenz.

Wer – wie ich – nicht selbst der Szene beiwohnte, kann aus den Bildern nur spekulative Vermutungen anstellen. Es mag so gewesen sein, dass da Nazis einen Migranten verfolgt haben, es könnte aber genauso gut ein berechtigtes Nachstellen nach § 127, Abs. 1 der Strafprozessordnung gewesen sein, nach dem jedermann berechtigt ist, einen auf frischer Tat betroffenen Straftäter, bis die Polizei die Personalien feststellt, einzufangen und festzunehmen. JEDER darf das, doch auch diese Spekulation kann von diesem Videoclip nicht gestützt werden. Noch nicht einmal eine weitere Variante, nämlich, dass diese Szene vorsätzlich inszeniert wurde, lässt sich ausschließen. Denn merkwürdig ist z.B. der Standort des Aufnehmenden: Er wäre nämlich dann mitten unter Nazis gestanden, aus welcher der “Verfolger” lossprintete. Die Nazis hätten dann ihre eigene Untat gefilmt und dieses Video dann auch noch der “Antifa Zeckenbiss” zum Veröffentlichen überlassen. Wäre aber ziemlich gaga, oder? –

Was wäre eigentlich, wenn sich auf dem Video überhaupt nur “Linke” befänden, die mit dem verfolgten Jungen eine simulierte Verfolgung vereinbart hätten, um genau das jetzt erreichte Medienecho zu erwirken? – Freilich ist auch das dem Video nicht zu entnehmen, würde aber den Standort der filmenden Person und das Posten durch die Antifa durchaus erklären. Es sind eben alles nur Spekulationen zu einem 19-Sekunden-Video .

In der Folge griffen auch die Bundeskanzlerin und ihr Pressesprecher Steffen Seibert die bis zum Erbrechen ausgestrahlte These der Medien auf und verurteilten – allein basierend auf diesen 19-sekündigen Clip – “Hetzjagden in Chemnitz” (Plural).

Dem widersprachen aber die sächsische Polizeiführung, das sächsische Innenministerium und sogar Sachsens Ministerpräsident, Michael Kretschmer.

Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, verehrte Leser, aber ich habe schon noch etwas mehr Vertrauen zu den offiziellen Verlautbarungen von Staatsorganen als zur Agitation der faschistoiden Antifa. Ich kann mir nämlich beim besten Willen nicht vorstellen, dass Medien zum Nachweis einer Straftat auch auf Videomaterial aus der rechtsextremen Szene zurückgreifen würden. Gegenüber linksextremen Quellen scheint man da kaum mehr Hemmungen zu haben.

Der Stein des Anstoßes

Am 7. September 2018 veröffentlichte dann die BILD-Zeitung ein Interview mit Verfassungsschutzpräsident Hans – Georg Maaßen in welchem er unter anderem äußerte, dass er Zweifel daran hege, dass es während der Ausschreitungen in Chemnitz zu Hetzjagden (Plural) gekommen sei und dem Verfassungsschutz auch keine belastbaren Informationen darüber vorlägen, dass solche Hetzjagden stattgefunden hätten (es kann nämlich daraus geschlossen werden, dass auch Beamte des Verfassungsschutzes vor Ort waren). Auch lägen keine Belege für die Authentizität eines im Internet verbreiteten Videos vor, das eine solche mutmaßliche Jagd zeige. Auch äußerte er die Vermutung, dass mit der Mär von “Hetzjagden” die Öffentlichkeit von dem “Mord” an einem Deutschkubaner durch zwei Migranten abgelenkt werden solle. Hier war Maaßen in der Tat etwas ungenau, denn derzeit wird nicht wegen Mordes, sondern wegen Totschlags bzw. Schwere Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt. Das heißt allerdings nicht, dass sich im Laufe der Ermittlungen und des Gerichtsverfahren nicht doch erfüllte Mord-Merkmale (Grausamkeit, Habgier, niedrige Beweggründe) erhärten lassen. Richtig an Maaßens Vermutung ist aber, dass im Hype um behauptete “Hetzjagden” tatsächlich der gewaltsame Tod eines Menschen von den Medien weitgehend von der medialen Begleitung ausgeblendet wurde.

Leider ist man in Deutschland heute auf Medien im europäischen Ausland angewiesen, um noch einigemaßen besonnene Kommentierungen zu finden, wie hier, der Kommentar von Marc Felix Serrao zur Causa Maaßen in der Neuen Züricher Zeitung:

NZZ 18.09.2018: Massens Ablösung ist das Ergebnis einer Kampagne

Im Ganzen decken sich Maaßens Mutmaßungen aber sehr wohl mit den offiziellen Verlautbarungen der o.g. Offiziellen aus Sachsen. Einen Grund für den Rücktritt hätte Maaßen also aufgrund seiner Äußerung eigentlich keinen gehabt – zumal es ja nur eine persönliche und vorläufige Einschätzung war. Aber nur eigentlich (!), – hätte Maaßen damit aber nicht den zündelnden linksliberalen Medien und vor allem der Kanzlerin und ihrem Regierungssprecher öffentlich widersprochen. Nun kann er aber ja nichts dafür, dass die Kanzlerin und Seibert den Medien auf den Leim gegangen waren und beide hätten ja vor ihrem öffentlichen Statement z.B. Maaßens Behörde zu der Szene befragen können, wie man es eigentlich von einer verantwortungsbewussten Regierung bevor sie sich festlegt erwarten können sollte.

Das “linke” Politspektrum und die diesem nahe stehenden Medien starteten daraufhin selbst eine wahre Hetzjagd auf Maaßen, wie man sie selten erlebte – und sie dauert noch an. Man fordert von ihm Unmögliches, nämlich er solle “Beweise” vorlegen, dass der Videoclip keine “Hetzjagden” dokumentiere. Das ist gleich doppelt falsch, denn zum einen hat Maaßen keine Tatsache sondern eine hinreichend begründete Vermutung geäußert, wie ich oben versucht habe darzustellen. Und in der Beweispflicht steht nicht der Zweifler, sondern wer ein Ereignis als Tatsache behauptet. Die Antifa, die Medien und Angela Merkel stünden in der Beweispflicht. Wer sagt, er hätte rosa Elefanten mit grünen Ohren und blauen Stoßzähnen gesehen, der muss die Existenz des wundersamen Tieres beweisen, gilt andernfalls zurecht als Lügner. 

Die Folgen

Aus beamtenrechtlicher Sicht war es jedenfalls zu erwarten, dass Maaßen seinen Stuhl als Verfassungsschutzpräsident wird räumen müssen. Dafür genügt ein auch nur angenommenes, belastetes Vertrauensverhältnis zwischen ihm und der Regierung. Jemanden wegen einer persönlichen Meinung gleich vernichten zu wollen, zeugt nicht von großer Souveränität. Seehofer hat also richtig gehandelt, auch wenn medial und politisch noch so heftig dagegen gewettert wird.

Dass es richtig war, Maaßen mit neuen Aufgaben zu betrauen – wenn auch aus anderen Gründen als dem jetzigen Sturm im Wasserglas – dazu hier mehr.

Seehofers Handeln, Maaßen als Staatssekretär in sein Ministerium zu holen, ist nachvollziehbar und wird dem lächerlichen Sturm im Wasserglas auch gerecht. Dass dafür der einzige SPD-Staatssekretär seinen Platz im Innenministerium räumen muss, ist für diesen sicher tragisch, doch darf er sich dafür bei seiner Partei und Andrea Nahles bedanken, welche die Koalition in Frage gestellt hatten, sollte Maaßen im Amt bleiben.


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