Fundsache: Die Diadochen und das Fell der Bärin

Schachpartie um Merkel-Nachfolge

Autor: Kurt O. Wörl

Nach Angela Merkels stilvoller Ankündigung ihres selbstbestimmten Rückzugs aus der Politik, durch Verzicht auf den CDU-Vorsitz, sprießen mögliche Nachfolger wie Pilze aus dem Boden. Ein Phänomen, das man so bei der CDU noch nicht beobachtet hat. Die CDU wirkt nach dieser Verzichtserklärung wie beschwingt. Gestern, in der Talkrunde bei Markus Lanz, konnte der Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der Union, Carsten Linnemann, gar nicht an sich halten und plauderte munter und fast euphorisch aus dem Nähkästchen und erzählte, was sich in der CDU nun so alles tut:

Gleich drei mögliche Nachfolger für das Amt des CDU-Vorsitzenden warfen inzwischen ihren Hut in den Ring: Annegret Kramp-Karrenbauer (kurz AKK), Jens Spahn, Friedrich Merz haben bereits angekündigt zu kandidieren. Armin Laschet, derzeit Ministerpräsident des bevölkerungsreichsten Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, ziert sich noch ein bisschen, könnte aber der Vierte im Bunde sein. Gut, wenn eine Partei die Auswahl hat und nicht Merkels Alternativlos-Mentalität weiterleben muss.

Ich sag’s gleich vorweg: Mein Favorit wäre Friedrich Merz. Er wurde 2002 von Merkel vom Fraktionsvorsitz weggebissen, zog sich wegen der Merkelschen Sozialdemokratisierung der Partei 2009 aus der Politik zurück und ging in die Wirtschaft. Er ist also vom System Merkel nicht kontaminiert. Ich traue ihm am ehesten zu, die AfD wieder obsolet werden zu lassen und die von Merkel vertriebenen Unions-Wähler zurückzugewinnen, sollte er als künftiger CDU-Vorsitzender auch die Kanzlernachfolge Merkels anstreben. – Einzig seine Mitgliedschaft in der Atlantik-Brücke und seine USA-Hörigkeit stören mich, zumal die USA kein verlässlicher Partner für Deutschland und Europa mehr sein mag.

Jens Spahn ist als Kritiker Merkels bekannt, hat fleißig an seiner Karriere gebastelt und wurde auch bereits auf dem Bilderberger-Meeting gehörig gebrieft. Aber er wirkt hölzern, als hätte er einen Stock im Hintern, ist wenig eloquent, hat wiederholt Herzlosigkeit ggü. den Schwächsten in der Gesellschaft erkennen lassen und verbreitet im Ganzen eher den Charme einer Klobürste. Ein Sebastian Kurz oder Emmanuel Macron ist er jedenfalls nicht.

Annegret Kramp-Karrenbauer ist eine sehr treue Merkel-Gefolgin, sonst wäre sie auch nicht Generalsekretärin geworden, ist vom System Merkel völlig kontaminiert. Sie stellt wie Merkel ebenfalls zu sehr ihre christlichen Moralvorstellungen nach vorne und bewegt sich verbal gerne im Ungefähren und Unverbindlichen. Die CDU käme mit ihr nur vom Regen in die Traufe. – Und ihr Redestil ist für Zuhörer anstrengend, ermüdend bis unerträglich.

Armin Laschet ist ebenfalls als Merkel-Getreuer bekannt, steht wie Merkel für den eher sozialdemokratischen Weg der Union. Mit ihm wird der CDU m.E. auch keinen Durchbruch und schon gar keinen bürgerlich-konservativen Neustart hinbekommen.

Wolfram Weimer, Autor bei der “Achse des Guten”, hat eine sehr schlüssige Analyse geliefert, der ich mich umfänglich anschließen kann:

Achgut 31.10.2018: Je isolierter von Merkel, desto besser die Chancen


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