Überlegungen im Zeichen des Virus':

Corona wird Veränderungen bringen

Autor: Kurt O. Wörl

Zwar weiß ich nicht, ob ich diese Corona-Pandemie überleben werde, schließlich gehöre ich als Mittsechziger zur Risikogruppe, wie ich auch nicht vorherzusagen vermag, ob uns diese Mistseuche in eine weltweite, wirtschaftliche Depression zwingen wird – unwahrscheinlich ist letzteres nicht.

Aber eines, meine ich, schon jetzt sagen zu können: Nach dieser Seuche wird einiges anders sein als vorher. Diese weltweite Epidemie wird zwar als “Schwarzer Schwan” gehandelt, als ein Ereignis also, das selten und höchst unwahrscheinlich ist und deshalb auch nicht im Blickfeld von Öffentlichkeit und Politik stand, aber das trifft m.E. nicht zu. 

  • Wir wussten, dass alles mögliche Getier – eben auch Fledermäuse – auf dem Speiseplan vieler Chinesen steht.
     
  • Wir wussten, dass die Märkte in China aus Frischheitsgründen auch viele Lebendtiere vorhalten, welche hochinfektiöse Exkremente im Marktbereich hinterlassen.
     
  • Wir wussten von vergangenen Virus-Epidemien in Fernost, etwa dem SARS-Virus, die immer wieder von solchen Märkten ausgehen.
     
  • Wir wussten, dass Chinesen aufgrund ihrer Anstrengungen zur Sicherung von Rohstoffen weltweit in der Entwicklungshilfe aktiv, im Zuge ihres Projekts “Neue Seidenstraße” und wegen der weltweiten Unternehmensbeteiligungen als sehr aktive Reisende in aller Welt unterwegs sind – und damit potenziell neue Viren in alle Welt tragen können. 
     
  • Wir wussten, dass unsere Pharmaindustrie ihre Wirkstoffherstellung und viele Hersteller von medizinischem Verbrauchsmaterial wie Schutzanzüge, Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel ihre Produktion ins “billigere” Ausland verlagert haben und wir wussten deshalb auch von unserer Abhängigkeit von einem reibungslosen, weltweiten Warenverkehr. Dies umso mehr, als  wir unsere einstige Kultur der Lagerhaltung weitgehend aufgegeben und gegen das “billigere” aber höchst störanfällige Just-in-Time-Prinzip eingetauscht haben. 

Wir wussten also genau, auf welchen Irrsinn wir uns eingelassen haben und deshalb wurden wir auch nicht von einem Schwarzen-Schwan-Ereignis “überraschend” heimgesucht. Wir sind jetzt vielmehr Opfer unserer eigenen Sorg- und Verantwortungslosigkeit und müssen die Folgen davon eben ausbaden. Nur schade, dass viele Menschen dies mit ihrem Leben zu bezahlen haben.

Und noch etwas begreife ich einfach nicht: Wir unterhalten ein Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BKK), von dem man eigentlich erwarten können sollte, dass es die notwendige Vorsorge, z.B. zum Schutz der Bevölkerung vor großen Seuchen, ständig im Blick hat. Die “Spanische Grippe” mit zwischen 30 und 50 Mio. Toten ist den meisten Menschen noch heute ein Begriff. Die gefährlichen “modernen” Seuchen, wie “Ebola“, SARS sind ebenfalls bekannt. Uns ist auch der mathematisch berechenbare Verlauf einer Pandemie bekannt. 

Wie kann es dann sein, dass eine Katatrophenschutzbehörde für mögliche Pandemien nicht wenigstens die erforderliche Ausrüstung für das medizinische Personal, also Schutzanzüge, Atemschutzmasken und ausreichend Desinfektionsmittel, eingelagert hat, im doch vorhandenen Wissen, dass bei solchen Ereignissen ganz schnell Hamsterkäufe Regale leeren, Lieferketten abreißen und “Just-in-Time” nicht mehr funktionieren wird?

Nun ist das Kind in den Brunnen gefallen, wir müssen sehen, diese Krise möglichst glimpflich zu überstehen. 

Merkels Unfähigkeit und gute Fachminister

Auch wenn unsere Kanzlerin mit ihrer viel zu lange währenden Untätigkeit, dem viel zu späten Schließen der Grenzen und ihr noch längeres Schweigen zur Pandemie – wohl wegen Ratlosigkeit – ihre völlige Überforderung nun verraten hat, so bin ich doch einigermaßen zufrieden mit dem nun gezeigten Management der Krise durch die Fachministerien. Die Mitarbeiter derer sind, das muss man einräumen, über sich selbst hinausgewachsen und dasselbe gilt auch für Bundesfinanzminister Olaf Scholz. Respekt! Trotz Totalausfalls von Merkels Richtlinienkompetenz funktioniert die so oft verwünschte GroKo erstaunlich gut und ich bin sehr froh, jetzt keine polyphone “Jamaika-Kasperl-Regierung” unter Beteiligung der “Grünen” im Amt zu wissen. – Manchmal fügt sich alles richtig, auch wenn man es nicht sofort erkennen kann.

Hervorragend auch das engagierte und konsequente Vorgehen der bayer. Staatsregierung unter Ministerpräsident Markus Söder. Das Ausrufen des Katastrophenfalls heute Morgen gibt den Verantwortlichen und den Behörden mehr Bewegungs- und Reaktionsfreiheit. Die angeordneten Maßnahmen scheinen angemessen und frei von Überreaktion zu sein. – Merkel sollte sich an Söder ein Beispiel nehmen!

Aber alles, was gut im Moment läuft, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die nun eskalierende Entwicklung der Pandemie weniger heftig ausfallen würde, wäre Merkel nicht wegen ihres eigenen Dogmas aus 2015 blockiert gewesen, wonach “Deutschland seine Grenzen weder schützen, noch Grenzübertritte kontrollieren, noch Nichtberechtigte an der illegalen Einreise hindern könne”. Nachdem die Entwicklung in Italien erkennbar war, hätten die Grenzen schon vor Wochen geschlossen werden müssen. Und wir wissen nun: es geht also doch, wenn es die Sicherheit des Landes verlangt und Merkel hat 2015 schlicht die Unwahrheit verbreitet.

Es hätte noch schlimmer kommen können

Manches hätte noch viel schlimmer kommen können. Man stelle sich angesichts der weltweit eskalierenden Virusinfektion nur für einen Augenblick vor, der SPD-Gesundheitsexperte Dr. Karl Lauterbach und seine neoliberalen “Berater” von der Bertelsmann-Stiftung hätten sich durchgesetzt. Die nämlich waren letztes Jahr zu dem Schluss gekommen, dass man in Deutschland die Zahl der Kliniken problemlos von 1.400 auf nur noch 600 reduzieren könnte. Es war sehr weise von den Ländern und ihren Kommunen, da nicht mitzuspielen.

Der Blick nach vorne

Blicken wir nach vorne: Ich bin mir sicher, dass infolge dieser Pandemie sowohl in Politik, aber auch im Bereich der Pharmaindustrie und der Produzenten von Katastrophen-Notausrüstung ein Umdenken stattfinden wird. Wir werden wieder lernen, dass Lagerhaltung kein überflüssiger Kostenfaktor ist. Die Kaufleute der alten Hansestädte dachten auch damals schon vor allem kaufmännisch, waren auf Kostenminimierung aus und haben trotzdem ihre Versorgungs- und Lieferfähigkeit durch den sicher nicht billigen Bau von Speicherstädten gesichert. Die Zeiten, in welchen Produzenten sagen konnten “mein Lager ist die Autobahn” oder “mein Spediteur” sollten vorbei sein.

Sehr recht zu wünschen wäre es, dass das meist etwas einfältige Völkchen pfennigfuchsender Betriebswirtchen von ihren Firmenleitungen die entsprechenden Anweisungen erhalten, mögliche Krisen und Lieferengpässe beim Mäuseschubsen in ihren Excel-Tabellen künftig zu berücksichtigen. – Wenn nicht, dann muss die Politik konkrete Vorgaben machen oder gar entsprechend relevante Unternehmen verstaatlichen. – Das gilt besonders auch für die Pharmaindustrie, die – am besten bei Versagen mit sehr hohen Strafen für die CEO bewährt – künftig die Versorgungssicherheit auch in der Krise sicherzustellen hat. – Ja, sehr recht zu wünschen wäre es!

Bild von Tumisu auf Pixabay


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