Ein Politischer Aschermittwoch zum Gähnen

CSU “performte” am besten

Autor: Kurt O. Wörl

Dieser Marathon durch die Beiträge der politischen Parteien zum politischen Aschermittwoch war für mich diesmal eine echte Herausforderung und fast unmenschlich anstrengend.

Mein Resümee: Bis auf die Inszenierung der CSU in Passau war die Performance aller anderen Parteien unterirdisch – und fürchterlich langweilig! Das lag natürlich auch an der digitalen Form der Veranstaltungen. Die Bierzeltstimmung ist halt ohne die Masse applaudierender Bierdümpfel als Publikum kaum zu simulieren. Aber zumindest bei der Inszenierung hätte man schon etwas mehr Kreativität erwarten dürfen, selbst hier können die anderen Parteien von der CSU lernen. Und was fast allen fehlte, das waren knackige Reden mit deftigem Derblecken der politischen Gegner, das zum Schenkelklopfen animieren könnte. – Es waren bestenfalls Reden, die so vielleicht im Parlament gehalten werden und selbst dort kaum gewissenhafte Aufmerksamkeit generieren könnten.

Eine kurze Zusammenfassung …

… für eine längere gäbe es gar nicht genügend Stoff. 

Die CSU

Von allen Parteien war die Aschermittwochsveranstaltung der CSU nicht nur am professionellsten inszeniert, sie lieferte auch recht unterhaltsam gute Informationen und sogar ein Hauch von Derblecken war dabei. Großes Studio, Multimedialeinwand, sogar Pappdeckelpublikum war platziert und für Markus Söder eine gemütliche Wohnzimmerecke aufgebaut. Eines muss man der CSU lassen, inszenieren kann sie, Respekt!

Zuerst übermittelte der frischgebackene CDU-Chef Armin Laschet – zugeschaltet – seine Grußworte in einer erfrischenden, optimistischen Ansprache, in einem dem Anlass entsprechenden Ambiente: Gleich zwei Bierkrüge am Tisch, Brezeln am Brezelhalter, zwei (noch geschlossene) Bierflaschen und einem sichtbaren CSU-Wimpel. So muss das sein, auch beim digitalen Aschermittwoch!

Einziger CSU-Redner war Ministerpräsident Markus Söder. Wohnzimmeratmosphäre, großes Bild von Passau hinter dem Redner, am Tisch Brezeln, Maßkrug und Brotzeitteller (mit Spuckschutz!). Dann legt Söder im Stile eines vertraulichen Wohnzimmergespräches los: Erst ein Seitenhieb auf Olaf Scholz, dann ein bisschen Geschichte zur – von der CSU erfundenen – Aschermittwochsveranstaltung, ein Hoch auf Franz Josef Strauß.  Und dann die Politik. Hier verrate ich nicht mehr, empfehle vielmehr Söder zuzuhören. In Sachen Pandemie-Maßnahmen und Lockerungen bin ich nicht seiner Auffassung, aber die seine präsentiert er professionell. Eine wirklich gelungene, unterhaltsame Inszenierung, findet sogar die TAZ. – Die anderen lohnen sich gar nicht zu verlinken, sind aber in YouTube auffindbar für jene, die sie sich doch antun wollen.

 

Die SPD:

Einziger Redner der Vizekanzler und Kanzlerkandidat der SPD, Olaf Scholz. Einfaches Rednerpult mit der SPD-Rose auf weißem Grund im Hintergrund, keine Brezeln, kein Maßkrug, auch kein Weißbierglas. Brav gesprochen, brav alle aktuellen Themen abgehandelt … am Schluss überwältigte mich der Sekundenschlaf. Das war zwar durchaus staatsmännisch, insgesamt war das aber nix! Insbesondere war nichts dabei, was mich aufhorchen, schallend lachen ließ oder inspirieren könnte, mein Kreuzchen bei den Sozen zu machen. Eindruck: Ich mach’s halt, weil’s so Brauch ist. – Merkenswertes war nicht dabei. Unterhaltungswert = NULL.

Die FDP:

Einziger Redner, Parteivorsitzender Christian Lindner. Er steht vor dem Fenster eines höheren Münchener Gebäudes, durch welches man eine triste Szene von Gewerbegebäuden sieht. Immerhin hält er einen gläsernen Bierkrug gefüllt mit Gerstensaft in den Händen. Dieses Utensil diente aber nur dazu, eine schnippische Bemerkung an Markus Söder loszuwerden, der bei seiner Rede nur nebenbei bemerkte, er habe diesmal “Cola light” in seinem Steinmaßkrug. Linder kalauert dazu: “Das kommt dabei heraus, wenn ein evangelischer Franke Bayern erklären will!” Linder trinkt einmal von seinem Bier und übergibt den Maßkrug dann einer Assistentin. Das war insoweit auch schon das Highlight seiner Rede.

Die Hände für seine Spickzettel hatte er nun frei. Die Kritik an Bund und Länder und wie diese durch die Pandemie stolpern, stand als einziges Thema im Mittelpunkt. Das meiste davon kann ich unterschreiben, aber die Rede war weder aschermittwochsgemäß humorvoll noch fesselnd. Hinzu kam ein Inszenierungsfehler, den ich gerade dem Meister der Inszenierung nicht zugetraut hätte: Statt bei seiner Rede in die Kamera zu schauen und zu den Zuschauern zu sprechen, blickte während der ganzen Rede links an der Kamera vorbei, vermutlich, um sich selbst auf einem danebenstehenden Monitor zu betrachten. Unterhaltungswert = NULL.

Die Grüninnen

Mehrere Rednerinnen: Die bayer. Frohnatur Kathrina Schulze eröffnete die Veranstaltung auf einer Bühne hin- und herlaufend und im Stil einer evangelikalen Predigerin redend, mit Dauergrinsen im Gesicht und übertrieben schauspielerischer Geste. Inhaltlich habe ich nichts behalten, es wirkte, als spräche sie zu Kindern in der KITA. Zweite Rednerin war mein Hauptallergen Anton Hofreiter, der mir bereits bei seinem Anblick wieder heftiges Hautjucken bereitete. Ihm zuzuhören bringt regelmäßig mein vegetatives Nervenkostüm durcheinander. Ich räume ein, ich habe seinen Beitrag übersprungen.

Nächste (miserable) Rednerin war die Vorsitzende der bayer. Grüninnen Eva Lettenbauer (Vorteil: jetzt kenne ich die Frau auch). Nette, sympathische junge Frau, aber Reden sollte sie keine halten. Aber sie rollt das fränkische “R” herrlich. Da sie das Mikrophon zu nah am Munde hatte und das auch nicht in den Griff bekam, habe ich weitergespult. In Erinnerung blieb mir Kritik an Markus Söder.

Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth folgte mit nichtssagender, aber staatsfraulich wirkender Rede. Sie war nicht schlecht, Klima, Klima, Klima, das war’s auch schon.

Die der weibliche Part des Führungs-Dreamteams der Grüninnen, Annalena Baerbock, schloss den Reigen ab. Wiederum übliche Themen, Rassismus, Klima, Pandemie. Ich habe es mir angehört, auch wenn ich ihre MickyMouse-Stimme nicht gut ertragen kann. Kaum freie Rede, viel abgelesen. Eine insgesamt ordentliche Rede, auch wenn ich bei fast nichts zustimme, aber eben auch keine Aschermittwochsrede und damit langweilig. Unterhaltungswert = NULL

Die LINKE

Was das digitale Format angeht, hat die LINKE bewiesen, dass das für sie offenbar ziemliches Neuland ist. Aber immerhin haben sie stilecht aus Passau gesendet. Moderatoren ein junges, ganz offenbar recht unerfahrenes Team. Grußworte von Gregor Gysi (vielleicht das einzige Highlight).

Aufgestellt ein Wirtshaustisch, Stühle, ein Breitfernseher mit Titelbild, am Tisch Bierkrüge und Brezelständer (immerhin!). Zwischendurch immer “kritische” Links-Musik mit Hassbotschaften an die Nazis, gesungen aus Mündern unter Dreadlocks, wenig gefeilte Interviews mit der “Arbeiterklasse”.

Erste Rednerin Vizevorsitzende Janine Wissler, liest ihren Text weitgehend vom Blatt ab, übliche Links-Themen, Corona, Solidarität, Solidarität, Solidarität usw. … laaangweilig. Hautredner Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow, miserabel inszeniert, sitzt offenbar vorm Laptop in seinem Wohnzimmer. Sauertöpfischer Vortrag, aber immerhin in freier Rede gehalten. Insgesamt viel Klage, nichts Neues und schon gar nichts, was Optimismus verbreiten könnte! Was ich von Ramelows Beitrag behalten habe: Das thüringische Reinheitsgebot ist angeblich älter als das bayerische und aus seiner Sicht sollte Franken ein eigenes Bundesland werden. Hä?Unterhaltungswert = NULL.

AfD

Die im Stile einer Hinterzimmerveranstaltung inszenierte Aschermittwochsveranstaltung der AfD habe ich nur kurz durchgezappt, um zu sehen, wer da spricht. Bereits einige Wortfetzen aus den Reden diverser Nonames löste Brechreiz aus, deshalb kann ich hier nicht mehr berichten, auch nichts zum Unterhaltungswert. – Ne, doch, der mir namentlich nicht bekannte Moderator und Ansager der Redner wirkte wie eine aus einem Märchenbuch entsprungene Schießbudenfigur mit betont überzogenem, hinterbayerischen Dialekt. Er erinnerte mich kurz an Walter Sedlmayr, aber der Vergleich beendete mein Lachen auch sofort wieder, man will ja nicht das Andenken an einen großen, bayer. Schauspieler beschmutzen.

 
 
 
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