Kein Impfpflicht durch die Hintertür, aber Konsequenzen:

Das große Impf-Mimimi

Autor: Kurt O. Wörl

Man kann es nicht mehr hören: “Keine Zweiklassengesellschaft durch die Hintertür!” hört und liest man zunehmend in der Journaille, mit Blick auf die Impfkampagne in der Corona-Pandemie. Gemeint ist, dass Impfgegner weiterhin dieselben Rechte und Freiheiten genießen möchten wie Geimpfte. Das ist aber nichts anderes als ein großes “Mimimi” und ein gleich doppelter Egoismus, der sich da offenbart. 

Die verfassten Grundrechte und Freiheiten gelten für alle (außer wenn sie die Regierung einfach außer Kraft setzt, wie zurzeit, was mir zugegeben zunehmend Sorge bereitet). Aber jede menschliche Entscheidung für oder gegen etwas ist stets mit Konsequenzen verbunden, die man bei der Entscheidung berücksichtigen sollte. Danach muss man diese auch tragen.

Entscheide ich mich gegen eine Impfung, dann akzeptiere ich zum einen, dass ich mich – und damit auch andere – infizieren kann. Ich nehme damit zugleich in Kauf, dass andere wegen meiner Entscheidung womöglich schwer erkranken oder gar sterben, wenn ich meine Infektion weitergebe. Die Betroffenen haben dann keine Wahl, die habe ich ihnen mit meiner Entscheidung genommen. Im Grunde sage ich dann, “das nehme ich hin und es ist mir egal, wenn ich nicht nur mich, sondern auch andere gefährde, die hätten sich ja impfen lassen können!” Die Regierung jedenfalls zwingt mich nicht, mich gegen meinen Willen impfen zu lassen. Es gibt keine Impfpflicht, auch nicht durch die Hintertür.

Aber Rechte und Freiheiten sind keine Einbahnstraße! Andere können in gleicher Weise ihre Rechte und Freiheiten in Anspruch nehmen und dazu gehört z.B. die Vertragsfreiheit und das Recht, Vertragspartner abzulehnen. Auch dies muss in meine eigene Entscheidung mit einfließen. Wenn also Eventagenturen, Konzertveranstalter, Reiseunternehmen, Fluggesellschaften, Kreuzfahrtreedereien, Personennah- und Fernverkehrsunternehmen, Restaurants, aber auch der Einzelhandel, vielleicht auch Theater, Kinos, Museen, Büchereien usw. beschließen, aus Sicherheitsgründen künftig nur noch mit Geimpften oder Leuten, die nachweislich durch eine durchlebte Infektion bereits immunisiert sind, Verträge zu schließen, dann nehmen sie damit nur ihrerseits ihr Recht auf Vertragsfreiheit in Anspruch. Sie könnten mir ihre Dienste sogar dann verweigern, wenn ihnen nur meine Nase nicht gefällt.

Und das ist übrigens gar nichts Neues! Es war schon immer so, dass für Reisen in bestimmte Länder Impfungen vorgeschrieben waren. KITAS und Kindergärten gehen zunehmend dazu über, nur für gegen Masern geimpfte Kinder Plätze zu vergeben. Oder: Niemand zwingt mich, mich gegen Gelbfieber impfen zu lassen, aber wenn ich meinen Urlaub z.B. in Thailand verbringen möchte, wird man mich nur mit Impfnachweis gegen Geldfieber einreisen lassen und Punkt. – Die Entscheidung bleibt immer bei mir selbst. Sowenig wie ich verpflichtet bin, mich impfen zu lassen, so wenig sind andere verpflichtet, mir zu Diensten zu sein. – Stets muss ich bereit sein, die Konsequenzen meiner Entscheidung auch zu tragen. Diese mögen unangenehm für Impfgegner sein, aber über das selbstgewählte Los sollte man bekanntlich nicht klagen. 

In jeder Gesellschaft gibt es Regeln, die, wenn sie erfüllt sind, dem einen Dinge ermöglichen, die anderen versagt sind: Niemand zwingt mich einen Führerschein zu machen, aber wenn ich selbst ein Kraftfahrzeug im öffentlichen Straßenverkehr lenken möchte, muss ich einen solchen haben. Würde man das eine Führerscheinpflicht durch die Hintertür nennen? Oder: Ein Flugzeug fliegt man nur mit Fluglizenz, an der Universität studiert man nur mit Abitur oder vergleichbarem Abschluss, Arbeit erhalte ich nur wenn ich auch arbeiten will. Niemand muss es akzeptieren, wollte man mit der Forderung “Gleiches Recht und gleiche Teilhabe für alle!” ohne Fahrerlaubnis Auto fahren, ohne Lizenz ein Flugzeug lenken, als Volldepp ohne Schulabschluss Hochschulzugang haben oder als Faulenzer mit Null-Bock auf Arbeit einen Job beanspruchen wollen. Nicht anders verhält es sich mit der Corona-Impfung – nur ist diese Voraussetzung für gleiche Teilhabe vergleichsweise einfach zu erlangen – falls irgendwann auch mal genügend Impfstoff zur Verfügung steht.

Wir haben alle selbst die Wahl, ob wir mit trockenem Brot zufrieden sind oder an den leckereren Torten der Gesellschaft teilhaben wollen. Wenn mancher deshalb schließlich doch eine innere Neigung verspürt gegen seinen ursprünglichen Willen sich impfen zu lassen, so ist das nicht in einem gesetzlichen Impfzwang, sondern in seinen persönlichen Wünschen nach mehr Teilhabe begründet – man zeigt sich dann ja nur ein bisschen korrupt ggü. seiner eigenen Haltung. Aber muss das andere interessieren?

Es ist hingegen von Egoismus getragen, wenn ich selbst keinen solidarischen Beitrag zum Infektionsschutz leisten will und es ist noch mehr von Egoismus getragen, wenn ich anderen ihr Recht auf Vertragsfreiheit versagen möchte, um meine Teilhabe zu erzwingen. Ja, ich will auch gerne selbst für mich entscheiden, das soll auch so bleiben, aber das wollen andere eben auch. Und jeder muss mit den Konsequenzen seiner Entscheidungen leben. – Jedenfalls wäre es falsch, würden wir uns vom “Mimimi” egomanischer Ichlinge unsere Regeln und unser gesellschaftliches Zusammenleben diktieren lassen. – Basta!

Bild von gefrorene_wand auf Pixabay


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