Die Union sollte die Weichen umstellen und

Ralph Brinkhaus ins Rennen schicken

Autor: Kurt O. Wörl

Vorweg: es ist grundsätzlich nicht meine Art, Wahlwerbung für bestimmte Kandidaten für ein politisches Amt zu formulieren. Wenn ich heute davon abweiche, dann nur deshalb, weil uns die allgemeine Stimmung im Herbst eine rot-rot-grüne Chaosregierung bescheren könnte.

Auf dem Schirm hatte man ihn bisher wohl eher nicht, weder im Politbetrieb noch seitens der Journaille. Ich schon – und zwar schon seit Monaten und ich wundere mich, dass man ihn bislang noch nicht für die Nachfolge Angela Merkels in Erwägung gezogen hat.

Ralph Brinkhaus (CDU)

Die Rede ist von Ralph Brinkhaus, dem Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Dabei wäre er m.E. aktuell der geniale Kandidat, und das gleich aus mehreren Gründen. Die Union sollte zweitnah und konsequent die Weichen umstellen!

Wie wirkmächtig Ralph Brinkhaus sein kann, hat er bereits bewiesen, als er 2018 seinen Vorgänger im Amt des Fraktionsvorsitzenden, den allzu Merkel-treuen Volker Kauder, völlig überraschend entthronte. Seitdem ist es für die Kanzlerin im Bundestag etwas ungemütlicher, denn Brinkhaus spricht gerne Klartext und las der Regierungschefin und ihrem Kabinett schon wiederholt gehörig die Leviten, insbesondere mit Blick auf die chaotische Murkserei der Regierung beim Pandemie-Management. Unter seiner Führung erlangte die Unionsfraktion wieder so etwas wie Selbstbewusstsein und erscheint seither nicht mehr nur als bloßer Abnickverein und Applauskulisse für Angela Merkel.

Wer ist Ralph Brinkhaus?

Der 1968 in Wiedenbrück (NRW) geborene Bundestagsabgeordnete Ralph Brinkhaus kann auf eine profunde Ausbildung und exzellente berufliche Karriere mit tadellosem Lebenslauf zurückblicken. Er ist nicht der typische, vom Erhalt des Mandats abhängige Berufspolitiker, sondern studierter Diplom-Ökonom und Steuerexperte, der sich 2004 als Steuerberater, mit Schwerpunkt internationales Rechnungswesen, selbstständig machte. Seit 2010 ist er verheiratet und als praktizierender Katholik dürfte er weltanschaulich auch mit den CSU-Abgeordneten in der Fraktion gut kompatibel sein. Seinen Wehrdienst leistete er 12 Monate lang als Panzerjäger in Augustdorf ab.

Mit 16 trat er der Jungen Union bei und 1998 der CDU. Kreisvorsitzender, Stadtrat und zugleich CDU-Fraktionsvorsitzender in Gütersloh, Mitglied im CDU-Bundesfachausschuss “Wirtschaft”, Bezirksvorstand, stellvertretender Landesvorsitzender in NRW, seit 2009 Bundestagsabgeordneter, stets mit Direktmandat ausgestattet und nun auch CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender im Bundestag, waren die Stationen seines politischen Werdeganges. So tadellos wie sein beruflicher Werdegang so war bisher auch seine politische Karriere. 

Innerhalb seiner Partei gilt er als konservativ im besten Sinne, stets ruhig und um Sachlichkeit bemüht. Er steht für einen liberaleren Kurs in der Wirtschaftspolitik und erwies sich als erklärter Kritiker der Flüchtlingspolitik Angela Merkels. Gegenüber plebiszitären Elementen, wie Volksentscheiden auf Bundesebene, zeigt er sich offen und betont dabei, dass er reinen Ja-Nein-Entscheidungen kritisch gegenüberstehe, da diese alternative Lösungsvorschläge nicht hinreichend berücksichtigten.

Er gilt als “meist koalitionstreu”. Zwar mag er nach eigenem Bekunden den Begriff “Umverteilung” nicht, doch sieht er sie als unvermeidlich an, damit die Unterschiede in der Gesellschaft nicht zu extrem werden. Er fordert “mit jenen wieder ins Gespräch kommen, die sich von uns abgewandt haben” und sich stärker als bisher um Protestwähler – namentlich der AfD – zu kümmern. Daraus ist zu schließen, dass er eine Ausgrenzungspolitik ablehnt.

Was mir besonders gefällt: Allüren kennt Brinkhaus’ Lebenslauf keine. Und anders als in letzter Zeit bekanntgewordene Raffgierige, bearbeitet Brinkhaus in seiner Steuerkanzlei auch keine eigenen Mandate mehr, sondern konzentriert sich auf seine Arbeit im Parlament.

Warum Ralph Brinkhaus?

Ich schätze an Ralph Brinkhaus die aufrechte Haltung eines Politikers, wie wir sie früher z.B. von Willy Brandt, Helmut Schmidt, Hildegard Hamm-Brücher und Hans-Friedrich Genscher kannten, also leider aus der Mode gekommene, gewissensgetragene Politiker. Sein o.g. Lebenslauf spricht für sich. Er erweist sich als Politiker, der sich trotz seiner CDU-Mitgliedschaft im großen Umfang Selbständigkeit bewahren konnte und er steht mit seiner Haltung gut positioniert zwischen den linken Merkel-Anhängern und den konservativeren CSU-Mitgliedern in der Fraktion. Er ist im besten Sinne ein Mann der Mitte, wo sich auch der große Bauch der Gesamtgesellschaft verortet. 

Ich schätze an Ralph Brinkhaus, dass er weder wankelmütig und unentschlossen wirkt wie Armin Laschet und vor allem auch nichts vom teilweise überzogen populistischen, teils intriganten, selbstgefälligen und zunehmend autokratischen Habitus Markus Söders an sich hat.

Ich schätze an Ralph Brinkhaus auch seine Eloquenz. Ein begnadeter Reder, der die freie Rede beherrscht und er erinnert mich sehr an den jungen Helmut Schmidt (Spitzname: Schmidt-Schnauze). Kostprobe gefällig?

Und er ist im 52. Lebensjahr, im idealen Alter also, das Amt eines Regierungschefs zu übernehmen: Beruflich saturiert, erfahren und mit staatsmännischem Auftreten. Mehr noch: Mit ihm käme wohl auch die FDP als Koalitionspartner sehr gut klar. – Ob das auch für die Grüninnen gilt, wage ich allerdings zu bezweifeln.

Resümee

Die Maskenaffäre hat der Union das Umfragehoch geraubt. Diesem Image-Schaden kann man weder mit Wankelmut (Laschet) noch intrigant-autokratischem Populismus (Söder) begegnen. Aber mit Sachlichkeit, Vernunftbetontheit, guten Umgangsformen und sauberer Weste kann man den Abstiegstrend der Union vielleicht noch umkehren. Und da sehe ich innerhalb der Union derzeit nur einen Namhaften, der diesen Anforderungen gerecht wird: Ralph Brinkhaus. Es könnte gelingen, aber dazu müsste die Union die Zwietrachtsäer Söder und Laschet aus dem Rennen nehmen.

Titelbild von Hands off my tags! Michael Gaida auf Pixabay


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