“Si vis pacem para bellum.”

Autor: Kurt O. Wörl

“Si vis pacem para bellum!” Zu deutsch: “Wenn du Frieden willst, bereite (den) Krieg vor.“ Das ist ein altes, lateinisches Sprichwort, das wohl auf Platon zurückgeht (Nomoi VIII/Gesetze VIII). Dort schrieb er:

“Die vornehmste Grundlage eines glückseligen Lebens aber ist dies, dass man weder Unrecht tut noch von anderen Unrecht erleidet. Hiervon ist nun das Erstere nicht so gar schwer zu erreichen, wohl aber so viel Macht zu erwerben, dass man sich gegen jedes Unrecht zu sichern vermag, und es ist unmöglich auf eine andere Weise vollkommen zu derselben zu gelangen als dadurch, dass man selber vollkommen tüchtig dasteht. Und ebenso ergeht es auch einem Staate, ist er tüchtig, so wird ihm ein friedliches Leben zuteil, ist er es nicht, so bedrängt ihn Fehde von innen und außen.

 

Steht es aber so damit, so muss sich jeder nicht erst im Kriege, sondern schon in Friedenszeiten auf den Krieg einüben, und darum muss eine verständige Bürgerschaft in jedem Monat nicht weniger als einen Tag Kriegsdienste tun, wohl aber noch mehrere, wenn es den Behörden nötig erscheint, und dabei weder Frost noch Hitze scheuen.”

Die alten Griechen wussten also bereits, was unsere “friedensbewegte” Pipi-Langstrumpf-Kultur in Europa – und vor allem in Deutschland – seit Ende des “Kalten Krieges” nicht mehr wahrhaben wollte. 

16 Jahre Angela Merkel haben unser Land in desolatem Zustand hinterlassen – und das in fast allen Bereichen. Die fast zwei Dekaden verschlafene Digitalisierung und der Verzicht auf Vorratshaltung von Schutzkleidung und Masken fiel uns mit der Pandemie verheerend auf die Füße – und das mit Ansage! Denn eine Risikoanalyse des RKI für eine mögliche MERS- oder SARS-Pandemie aus 2013 sagte exakt diesen Mangel voraus, wenn nicht Vorsorge getroffen werde. Sieben Jahre bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie geschah nichts! Es wurde keine Vorsorge getroffen.

“Si vis pacem para bellum!” Merke: Auch der Kampf gegen eine Pandemie ist eine Art Krieg, in dem massenhaft Menschen sterben können, wenn man nicht darauf vorbereitet ist. 

Das Kaputtsparen unserer Streitkräfte stellt eine weitere, verantwortungslose Nachlässigkeit dar, wiederum mit Ansage: Seit Jahren klagen die Verbündeten darüber, dass Deutschland seinen Bündnisbeitrag bei der Rüstung (jährlich 2% des Bruttosizialprodukts) nicht leistet. Bereits Barack Obama mahnte dies an. Donald Trump drohte gar damit, das NATO-Bündnis, weil obsolet, aufzugeben. Warum sollten die USA auch ihren Schutzschirm über Europa aufrechterhalten, wenn man dort gar kein Interesse an Wehrfähigkeit hat?

Jedenfalls: was passieren kann, wenn man die Wehrfähigkeit vernachlässigt, erleben wir heute in der Ukraine und wir erlebten es bereits 1939, als die Tschechei und Polen der Deutschen Wehrmacht nichts entgegenzusetzen hatten. – Geschichte wiederholt sich also doch und das Drehbuch für den Überfall auf die Ukraine könnte durchaus auch vom Generalstab der Nazis stammen (Stichwort “Blitzkrieg”).

Und die Bundeswehr? G36-Sturmgewehre, die nicht mehr zuverlässig treffen, wenn sie heißgeschossen sind, Hubschrauber, die schon mal die Rotorblätter verlieren, Marinehubschrauber, die nicht über Wasser fliegen dürfen, Kampfflugzeuge, die wegen zu geringer Vernietung keine engen Kurven fliegen können, U-Boote, die reparaturbedürftig mehr in der Werft stehen statt auf Tauchfahrt in den Ozeanen unterwegs zu sein, Frachtflugzeuge die nur Oneway bis zur nächsten Panne fliegen können, Panzer ohne Ersatzteile, über all dem dann noch ein völlig unverständlicher Munitionsmangel – und die Soldaten haben keine geeignete Winterkleidung bei ihrem Einsatz im Baltikum. – Eigentlich müsste man eine Politik, die so eine Nachlässigkeit ggü. der Wehrfähigkeit unseres Landes an den Tag legt, unter Sabotage-Verdacht stellen.

Es ist wahr, von so einer Armee geht in der Tat keine Gefahr für den Weltfrieden aus. Das mag die “Friedensbewegten” entzücken. Aber das ist nur scheinbar so. Denn von so einer Armee geht auch keine Friedenswahrung, keine Kriegsverhinderung oder gar -beendigung aus und sie kann auch keinen dringend erforderlichen Waffenbeistand für ein Land in Not leisten, wie nun für die Ukraine. 5.000 Helme, 1.000 Panzerfäuste und 1.000 Stingerraketen … mehr haben wir nicht zu bieten. Wenn die Ukraine fällt, dann hatte Deutschland nur einen sehr homöopathischen Anteil am Versuch dies zu verhindern.

“Si vis pacem para bellum.” – das scheint nun nach dem Schock des russischen Überfalls auf unsere Nachbarn auch bei der Ampelkoalition als wahr angekommen zu sein. Man traut seinen Ohren kaum, wenn man nun die beschwörenden Reden des Kanzlers und seiner rot-gelb-grünen Minister und Ministerinnen zuhört. 100 Mrd. Euronen Sondervermögen für die Ausstattung der Bundeswehr werden nun investiert und das Versprechen abgegeben, dass Deutschland künftig nicht nur seiner 2%-Verpflichtung nachkommen, sondern sogar darüber hinaus für die Bundeswehr erforderliche Mittel vorhalten will. Die Kunde hör’ ich wohl und gern, allein mir fehlt ein bisschen der Glaube. Nicht an den Worten, an den Taten soll man Politiker messen. Wir dürfen gespannt sein!

Kann es sein, dass der zunehmende Verzicht auf humanistische Bildung unter Politikern Ursache dafür ist, dass ewig richtige Weisheiten alter Kulturen in Vergessenheit geraten? Wer schmökert noch in Platons “Politeia” oder Machiavellis „Il Principe” oder “Discorsi” (Gebrauchsanweisungen für die Machtausübung)? Bei den vielen Studienabbrechern, gerade im Bereich links von der parlamentarischen Mitte, möchte einem angst und bange werden. Sogar junonische Unterschicht-Walküren (wie Gott sie schuf und McDonalds sie formte) schaffen es heute an die Spitze staatstragender Parteien. 

Bei all dem: Ich bin heilfroh, dass nun SPD und Grüne zusammen mit der FDP für die 180°-Wende in der Rüstungspolitik verantwortlich sind. Würde die Union den Kanzler stellen, hätte sie – bei gleicher Entscheidung – die gesamte Linksfront und deren Protestpotenzial der Straße, Seit’ an Seit’ mit niemalskluger AniFa und dumpfbackigen “Putin-Verstehern” gegen sich.

Hört auf Platon: “Si vis pacem para bellum.”

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