Herumampeln in Thüringen: Es könnte alles noch viel peinlicher werden

Was wäre eigentlich wenn?

Autor: Kurt O. Wörl

FDP, Teile der SPD und die AfD wollen nach dem Desaster in Thüringen ja Neuwahlen, Linke und Grüne hingegen nicht. Und: wer Neuwahlen wohl am wenigsten fürchten muss, das dürfte die AfD sein. Deshalb sind Linke und Grüne bislang gegen Neuwahlen.

Stattdessen möchten sie die Wahl des Ministerpräsidenten, nach dem Rücktritt Thomas Kemmerichs, einfach wiederholen, in der – durchaus berechtigten – Hoffnung, im dritten Wahlgang gehe dann Bodo Ramelow durch, da hier gewählt ist, wer die meisten Ja-Stimmen auf sich vereinigen kann. 

Aber was wäre eigentlich, wenn die AfD weiter auf Neuwahlen besteht und androht, andernfalls spätestens im dritten, besser noch gleich im ersten Wahlgang geschlossen Ramelow mitzuwählen, um zu prüfen, ob man sich in unserem Land wirklich nicht mit AfD-Stimmen wählen lassen darf?

Das Szenario klingt zwar bizarr, aber das wäre ein wahrer Lackmus-Test. Denn Ramelow wäre dann – wie jetzt Kemmerich – mit den Stimmen der AfD gewählt und das, das haben uns die Medien und alle Parteien außer der AfD nun überdeutlich ins Stammbuch geschrieben und ins Hirn gemeißelt, das geht ja gar nicht. 

Also mich würde es schon sehr wundern, wenn die Strategen der AfD sich nicht in Kürze genau so aufstellen würden. Aufgrund der moralistisch befeuerten Empörung nach der Wahl Kemmerichs könnte Ramelow die Wahl gar nicht annehmen, ohne dass er und die gesamte rot-grüne Entourage als Heer von Heuchlern und scheinheiligen Lügnern in die Geschichte eingingen. – Ganz abgesehen davon, dass danach bei allen weiteren Wahlen die Ergebnisse der AfD durch die Decke gingen. Und 2021 haben wir ein Superwahljahr, mit gleich mehreren Landtagswahlen und der Bundestagswahl!

Da bin ich mir ziemlich sicher, genau derartige Überlegungen werden im Präsidium der AfD nun durchgespielt. Sie könnten damit alle Parteien links von sich so erneut vorführen und der Lächerlichkeit preisgeben. Wir als Zaungäste würden dann auch noch ein wahres Feuerwerk an Dialektik und Rabulistik erfahren, warum ein Liberaler sich keinesfalls von der AfD hätte wählen lassen dürfen, ein Sozialist der Linken aber schon.

Aber nicht nur das! Es könnte noch sehr viel peinlicher kommen. Angenommen man möchte das vorgenannte Szenario vermeiden und einigt sich tatsächlich auf Neuwahlen. Dann könnte es sein, dass die AfD gestärkt aus der Wahl hervorgeht und künftig sogar mehr Sitze als die Linke im Landtag hätte. Die AfD wäre dann stärkste Kraft im Parlament und hätte damit den Auftrag, zu versuchen, eine Regierung zu bilden. Und das könnte ihr durchaus gelingen. Denn sie könnte wie folgt argumentieren:

“Wir wollen als stärkste Kraft im Landtag den Ministerpräsident stellen und eine Regierung bilden (Anmerkung: es braucht nicht viel Fantasie, dass der Kandidat dann Björn Höcke heißen würde).

 

Ihr, die anderen Parteien, wollt das natürlich keinesfalls, das ist klar. Die Entscheidung wird deshalb wieder im dritten Wahlgang erfolgen. Und freut Euch auf die folgenden, von uns geplanten Szenarien:

 

Entweder nur wir stellen einen Kandidaten, dann ist dieser sicher durch unsere Ja-Stimmen im dritten Wahlgang gewählt, wir bilden eine Regierung und ihr müsst das dann fünf Jahre ertragen.

 

Oder ihr stellt auch einen Kandidaten auf, sehr wahrscheinlich Bodo Ramelow, dann hätte unser Kandidat zwar gar keine Chance gewählt zu werden, DunkelrotRotGrün wird wieder die Regierung stellen, aber wir, die AfD, wir würden geschlossen euren Kandidaten mitwählen.”

 

Der aber könnte das Amt dann gar nicht antreten weil andernfalls euer moralistisches Aufplustern nach der Wahl Kemmerichs als pure Heuchelei und Verlogenheit offenbar werden würde. Ihr müsstet dann erklären warum es bei Kemmerich ein Tabubruch gewesen war, sich von der AfD mitwählen zu lassen, bei eurem Kandidaten aber nicht.

 

Wie ihr es dreht und wendet: Ihr habt keine Möglichkeit ohne Gesichtsverlust eine Regierung zu stellen, es sei denn ihr stimmt Neuwahlen zu und erzielt wieder ein Mehrheitsbündnis.”

 

Am Ende würden alle zu der – dann aber zu späten – Einsicht kommen, dass ein mit den Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten gewählter Liberaler wie Thomas Kimmerich von allen Szenarien noch das kleinste Übel gewesen wäre. Es wird für Satiriker immer schwieriger noch witzig zu überzeichnen, wenn die Realsatire schon alle Grenzen sprengt. Einer versuchts trotzdem – und wie immer sehr gekonnt und scharf:

Die zum Thüringen-Treppenwitz passende Satire liefert wortgewaltig Gerold Grosz

Bild von Greg Montani auf Pixabay


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