Spießbürger damals und heute

Auch vermeintlich Progressive sind heute nicht mehr frei davon
Lesedauer: ca. 2 Minuten

Autor: Kurt O. Wörl

Ende der 1950 bis Ende der 1970er Jahre waren die links-progressiven Strömungen in unserem Land jene, die das normale Bürgertum gerne als Spießbürgertum der Lächerlichkeit preisgaben.

Heute hat sich eben jenes links-grüne Spektrum selbst in der Spießigkeit wohlgenährt eingerichtet, saturiert wohnend in gentrifizierten Wohnvierteln (wo man ganz sicher keine Asylunterkünfte findet), meist staatlich alimentiert an Hochschulen und in staatlichen Institutionen, beruflich also bestens abgesichert. Und wie das so ist, wenn Saturiertheit zur Gewohnheit wird, die Spießigkeit lässt nicht lange auf sich warten.

Spießbürger damals und heute

Eine kleine Synopse zum Vergleich möge meine Beobachtung illustrieren:

Bereich damals heute
Normquelle Tradition, Anstand,
„das war schon immer so“
Moralismus, Gesinnung, „das ist problematisch“
Zentraler
Kontrollraum
Vorgarten, Treppenhaus, Nachbarschaft Sprache, Verhalten, Konsum, Mobilität
Symbolpflege Gartenzwerge, Hecke, Fahnenmast Lastenrad, Bio-Label, Aufkleber mit Haltungsslogans
Regeltyp Hausordnung Kehrwoche, Ruhezeiten, Kleiderregeln Vorschriften, Verbote, Leitlinien, Verhaltenscodes
Sanktionsform Klatsch und Tratsch, Ausgrenzung, Ordnungsruf Beschämung, Ausgrenzung, Etikettierung, moralische Abwertung
Schlüsselsätze „Das gehört sich nicht!“ „Das darfst Du nicht!“
Abweichlerbild unanständig, asozial rückständig, problematisch unsensibel (unwoke)
Zielvorstellung generelle Ordnung nach außen spezifische Ordnung im Denken
Richtiges Auftreten Sonntagsgewand, Krawatte, Hut, „ordentlich aussehen“ politisch korrekte Sprache, Sprachpolizei, „bewusst kommunizieren“
Mobilität Autowaschen am Samstag mit Chrompolieren E-Bike im urbanen Umfeld, fürs Wochenende der SUV in der Tiefgarage versteckt
Ernährungsdogma Anständiges Essen, mind. einmal wöchentlich Fleisch muss sein. Essenswahl nach Gesinnung, moralische Bewertung des Einkaufswagens und „auch Tofu soll sich Schnitzel und Wurst nennen dürfen“
Kindererziehung strenge Regeln, „so erzieht man Kinder“ Pädagogische Ideologie, „so erzieht man Kinder ‚richtig“
Feindbild Gammler, Langhaarige, Unangepasste Leugner, Verweigerer, Unsensible
Autoritätsverhältnis Achtung und Respekt vor Amt, Polizei, Kirche Achtung und Respekt vor Expertenetiketten, Gremien, „moralische“ Instanzen
Abweichungstoleranz „Ich bin ordentlich und normal“ „Ich stehe auf der richtigen Seite – Normalität gibt es nicht“
Sozialer Druck Tuscheln im Treppenhaus öffentlicher Pranger im Gespräch, in Gruppen, im Netz
Zusammenfassung Gleiche spießige Mentalität
Neue und alte Spießervokabeln
Gleiche Intoleranz anderen Weltsichten gegenüber

Sympathisch wirken auf mich weder die alten noch die neuen Spießbürger, wobei die Damaligen um Nuancen weniger unsympathisch wirken.

Diesen Beitrag teilen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert