Gestatten:

- Jahrgang 1954, Hauptkommissar i.R.,
- CIO „Zahnärzte ohne Grenzen“,
- Publizist, Essayist, Informatiker, Segelflieger, passionierter Fotograf,
- Mitglied im Verein Deutsche Sprache, Gründungsmitglied der Gesellschaft für kritische Philosophie in Nürnberg.
- Ich lese viel, schreibe gern und beschäftige mich bevorzugt mit Fragen, auf die es keine bequemen Antworten gibt.
Das „O“ in meinem Namenszug verdanke ich meinem selten dämlichen zweiten Vornamen. Es bildet das optische Zentrum eines Namens aus zweimal vier Buchstaben und erinnert mich zugleich an eine Grundhaltung: Nicht die politischen und weltanschaulichen Extreme, sondern die gemäßigte Mitte, das Maß, Urteilskraft und die Bereitschaft zur Abwägung führen gewöhnlich zu den vernünftigeren Antworten.
Bisweilen wird vermutet, mein früherer Beruf habe mich zu einer hölzernen Law-and-Order-Figur geformt. Das ist ein Irrtum. Ich konnte meine Rollen als Gendarm und Privatperson immer klar voneinander trennen und hielt das auch für notwendig. Wer seine dienstliche Autorität mit nach Hause, in den Freundeskreis oder an den Stammtisch nimmt, verliert leicht den unbefangenen Umgang mit anderen Menschen.
Seit meinem Ruhestand ist diese berufliche Rolle entfallen. Das Amt liegt hinter mir, der Mensch ist geblieben – und mit ihm die angenehme Freiheit, nicht mehr zwischen dienstlicher Pflicht und persönlicher Überzeugung unterscheiden zu müssen.
Informationen für Schubladendenker
Ab meinem 18. Lebensjahr war ich fast 33 Jahre lang aktives Mitglied einer liberalen Partei. Zur Partei geführt hatten mich vor allem die Freiburger Thesen und das liberale Denken Hildegard Hamm-Brüchers, mit der mich später eine langjährige Parteifreundschaft verband. Beide standen für einen menschlichen Liberalismus, der Freiheit nicht mit Egoismus verwechselte und gesellschaftliche Verantwortung nicht als sozialistischen Fremdkörper betrachtete.
Im Laufe der Jahre entfernte sich die Partei jedoch immer weiter von jenem Werten, deretwegen ich ihr beigetreten war. Sie verkümmerte zunehmend zur Interessenvertretung bestimmter Berufs- und Einkommensgruppen. Spätestens in den 2000er Jahren erkannte ich die Partei meiner Jugend nicht mehr wieder. Im Jahr 2007 zog ich die Konsequenz und trat aus.
Seither bin ich parteiloser politischer Rosinenpicker mit einer unverändert liberal-bürgerlichen Grundhaltung. Ich genieße es, keiner Parteiräson mehr verpflichtet zu sein, keine Beschlüsse verteidigen zu müssen, die ich für falsch halte, und keine Unsinnigkeiten schönzureden, nur weil sie aus den eigenen Reihen stammen.
Parteilichkeit mag Geborgenheit vermitteln. Geistige Freiheit beginnt jedoch häufig dort, wo die Loyalität zum Lager endet.
Wider die Ismen
Schubladendenker haben es bisweilen schwer, für mich das passende Fach zu finden. Von der „linken Zecke“ bis zur „rechten Ratte“ hat man mir schon allerlei Etiketten ans Revers zu heften versucht. Offenbar macht sich auf mehreren Seiten zugleich verdächtig, wer sich keinem politischen Lager unterwirft und dessen vorgeschriebene Feindbilder nicht übernimmt.
Das ist nicht weiter erstaunlich. Wer in einer Ideologie, die auf „-ismus“ endet, wohnt, hält deren Wände bald für den Horizont. Er braucht klare Lager, eindeutige Schuldige und Menschen, die sich zuverlässig nach Freund und Feind sortieren lassen. Die Widersprüche der eigenen Weltsicht werden nicht geprüft, sondern beim Gegner abgeladen. Wo das selbständige Denken aufhört, beginnt die Etikettierung.
Ich bemühe mich, mich diesem Reflex zu entziehen. Anderen Menschen möchte ich nicht herzlos, sondern anständig und sozial verantwortlich begegnen. Aber Sozialismus und Kommunismus halte ich für sehr verhängnisvolle und falsche Irrwege der Menschheit. Sie versprechen Gleichheit und Gerechtigkeit, behandeln den einzelnen Menschen aber letztlich als Objekte eines gesellschaftlichen Entwurfs.
Wo das Kollektiv zum höchsten Wert erklärt wird, bleiben persönliche Freiheit, Eigenverantwortung und das Recht auf Widerspruch regelmäßig auf der Strecke.
Meine Grundhaltung ist liberal und bürgerlich. Freiheit bedeutet für mich jedoch weder Rücksichtslosigkeit noch die Herrschaft des wirtschaftlich Stärkeren. Ich folge keinem schrankenlosen Liberalismus, der nur den Markt kennt, aber keine Verantwortung, keine Bindungen und kein Gemeinwesen. Ebenso lehne ich einen Etatismus ab, der den Bürger entmündigt, ihm jede Entscheidung abnehmen möchte und den Staat zum Erzieher der Gesellschaft erhebt.
Frauen, die für gleiche Rechte, gleiche Freiheit und faire Chancen eintreten, haben meine Unterstützung. Daraus folgt jedoch keine Gefolgschaft gegenüber einem Feminismus, der Männer und Frauen in toxische Täter- und larmoyante Opferkollektive einteilt. Wo aus dem berechtigten Kampf gegen Benachteiligung eine pauschale Anklage gegen ein Geschlecht wird, unterscheidet sich Feminismus in keiner Weise mehr vom Chauvinismus, den er zu bekämpfen vorgibt. Beide ersetzen den einzelnen Menschen durch ein Gruppenbild.
Mein Misstrauen gilt ebenso dem Nationalismus, der die eigene Nation zum Maß aller Dinge erhebt, dem Identitarismus, der Menschen auf Herkunft und Gruppenzugehörigkeit reduziert, dem Kollektivismus, der den Einzelnen dem Verband unterordnet, und dem radikalen Individualismus, der jede Pflicht gegenüber anderen als Zumutung empfindet.
Ich misstraue dem Moralismus, der politische Gegner nicht widerlegt, sondern moralisch verurteilt, dem Dogmatismus, der Zweifel als Schwäche betrachtet, dem Fundamentalismus, der Glaubenssätze über die Wirklichkeit stellt, und dem Fanatismus, der im Namen einer angeblich höheren Wahrheit jedes Maß verliert.
Freilich, nicht jedes Wort, das auf „-ismus“ endet, bezeichnet eine Ideologie oder überhaupt eine Weltanschauung. Pluralismus ist ein gesellschaftliches Ordnungsprinzip, Realismus eine Haltung zur Wirklichkeit, Humanismus eine Orientierung am Menschen. Die Sprache ist natürlich gewachsen und folgt nicht immer einer politischen Systematik.
Trotzdem: Hören Sie also, wenn Menschen reden, genau hin: Wer viel „-ismus“ im Munde führt ist fast immer ein ideologiegetriebener Narr und eher selten ein guter, menschlich gesinnter Demokrat.
Das Übel beginnt dort, wo aus einer Idee ein geschlossenes Denk- oder Glaubenssystem wird: wenn eine Lehre sich gegen Erfahrung und Zweifel immunisiert, Einwände nicht mehr prüft, sondern ächtet, und Menschen nur noch nach Klasse, Geschlecht, Herkunft, Nation oder politischem Lager beurteilt.
Selbst der vernünftigste Gedanke wird gefährlich, sobald er sich für die ganze Wahrheit hält.
Eine Weltanschauung zu besitzen, ist weder ungewöhnlich noch verwerflich. Jeder Mensch hat Vorstellungen davon, was richtig und falsch ist, was Freiheit bedeutet, was eine gerechte Ordnung ausmacht und welche Pflichten Menschen füreinander tragen. Entscheidend ist, ob diese Überzeugungen offenbleiben für Erfahrung, Widerspruch und Korrektur oder ob sie sich zu einem Gedankengefängnis verhärten.
Ich halte mich lieber an den einzelnen Menschen als an abstrakte Kollektive, lieber an Erfahrung und Urteilskraft als an politische Glaubenssätze. Ich möchte nicht zuerst entscheiden müssen, ob eine Behauptung links oder rechts, fortschrittlich oder reaktionär, zeitgemäß oder unzeitgemäß ist. Mich interessiert zunächst, ob sie wahr, vernünftig und mit der Freiheit und Würde des Menschen vereinbar ist.
Meine Haltung lässt sich deshalb weniger durch ein Etikett als durch eine Abneigung beschreiben: gegen geschlossene Weltbilder, politische Heilslehren und jene selbstgewisse Dummheit, die nicht mehr fragt, ob etwas richtig ist, sondern nur noch, welchem Lager es nützt.
Ich misstraue jedem -Ismus, sobald er ein Ideengebäude bezeichnet und zur Methode hat, das Denken durch Dogmen zu ersetzen.
Toleranz ist keine Selbstknebelung
Meine Toleranz gegenüber anderen Weltsichten reicht weit. Ihre Grenze liegt dort, wo die Würde des Menschen, die Freiheit anderer oder unsere rechtsstaatliche Ordnung verletzt werden.
Toleranz bedeutet für mich jedoch nicht, dass ich jede Meinung gutheißen, jeden Unsinn unwidersprochen lassen oder aus falsch verstandener Höflichkeit den Mund halten müsste. Wer Unsinn redet, dem verbiete ich nicht das Wort. Er muss allerdings mit meinem Mundwerk in Gegenrede rechnen – und dass dieser Widerspruch deutlich ausfallen kann.
Diese Haltung fasste die britische Autorin Evelyn Beatrice Hall 1906 in ihrer Voltaire-Biographie treffend zusammen:
„Ich stimme dem, was Sie sagen, nicht zu, aber ich werde
bis zum Tod Ihr Recht verteidigen, es zu sagen.“
Toleranz verlangt, dass man die Rede des anderen duldet. Sie verlangt nicht, dass man auf die eigene Gegenrede verzichtet.
Das gilt auch für den sogenannten zivilen Ungehorsam. Wer aus Gewissensgründen vorsätzlich ein Gesetz bricht, verdient meinen Respekt nur dann, wenn er nicht jammert, dass er die rechtlichen Folgen tragen muss. Wer sich zum Rechtsbruch bekennt, muss auch bereit sein, die dafür vorgesehenen Sanktionen erhobenen Hauptes zu tragen.
Sokrates bleibt dafür ein eindrucksvolles Beispiel. Er hätte fliehen können, er hätte widerrufen können, nahm aber den Schierlingsbecher, weil er sich der Gesetzestreue, dem Vertrag mit der Polis und seiner eigenen Lebenshaltung verpflichtet sah. Man muss seine Entscheidung nicht teilen, um ihre Konsequenz zu achten.
Nicht links oder rechts, sondern frei oder autoritär
Ideen beurteile ich nicht nach ihrer Herkunft, sondern nach ihrem Gehalt und ihren absehbaren Folgen. Wer sie äußert, ist zweitrangig. Selbst wenn eine gute Idee aus einer unerwarteten Richtung oder, bildlich gesprochen, vom Teufel käme: Wenn sie gut ist, nenne ich sie gut.
Umgekehrt erkenne ich in einer Idee keine moralische Autorität, nur weil sie angeblich „von der richtigen Seite“ stammt. Unsinn bleibt Unsinn, auch wenn er sich mit den richtigen Fahnen schmückt.
Die klassische Einteilung in „links“ und „rechts“ erscheint mir inzwischen weitgehend untauglich. Ich bevorzuge ein vertikales Koordinatensystem: oben das freiheitliche, demokratische und rechtsstaatliche Spektrum, unten das autokratische, ideologische und menschenverachtende.
In diesem Koordinatensystem sitzen die politischen Knallköpfe ziemlich dicht beieinander, gleichgültig, ob sie sich selbst links, rechts, religiös, revolutionär oder sonst wie nennen. Zwischen linken und rechten Antisemiten, Hasspredigern, Fanatikern und Gewaltbereiten sehe ich keine nennenswerten Unterschiede. Ihre jeweilige ideologische Begründung ist nebensächlich. Entscheidend ist ihre Gefährlichkeit für eine offene und freie Gesellschaft.
Mein entschiedener Widerspruch gilt allen politischen Strömungen, die den Menschen bis ins Privatleben hinein vorschreiben wollen, wie sie zu leben, zu sprechen und zu denken haben. Hinter diesem Erziehungsanspruch steht stets ein autoritäres Menschenbild: Der Bürger gilt nicht als mündiger Erwachsener, sondern als unzuverlässiges Wesen, das von einer selbsternannten moralischen Elite angeleitet, beaufsichtigt und notfalls gemaßregelt werden müsse.
Solche politischen Gouvernanten braucht kein freies Gemeinwesen.
Denken ohne Parteibrille
Ich bemühe mich, politische und gesellschaftliche Fragen nicht nach Lagerzugehörigkeit, sondern nach Tatsachen, innerer Folgerichtigkeit und absehbaren Folgen zu beurteilen. Das schützt nicht vor Irrtum. Wahrheit ist ein Biest, und Menschen neigen dazu, sie ausgerechnet dort zu vermuten, wo sie ihre eigenen Überzeugungen bestätigt.
Neuem gegenüber bin ich grundsätzlich aufgeschlossen. Fortschritt ist jedoch kein Wert an sich. Nicht alles Neue ist besser, nur weil es neu ist, und nicht alles Bewährte ist überholt, nur weil es schon länger funktioniert.
Bei Anstand, Umgangsformen, ethischen Maßstäben, den Grundwerten von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit und besonders im Sprachgebrauch schätze ich vieles, was man heute vorschnell als altmodisch oder konservativ abtut. Eine Gesellschaft wird nicht dadurch moderner, dass sie jede überlieferte Form zerstört. Manchmal wird sie lediglich gröber, geschichtsvergessener und dümmer. Bildlich: Wer alte Zöpfe abschneiden will, sollte zumindest eine Vorstellung von neuen attraktiven Frisuren haben.
Ich bemühe mich dennoch, ein menschenfreundlicher Mensch zu sein. Ja, ich mag Menschen – allerdings mit gelegentlich misanthropen Anfällen, besonders nach dem Konsum von Zeitungen, Nachrichtensendungen und politischen Reden.
Philosophie, Wissenschaft und Literatur
Religiöse Heilsgewissheiten und imaginäre Jenseitswelten überzeugen mich nicht. Philosophisch erscheint mir ein naturalistischer Monismus am schlüssigsten: die Annahme, dass die Wirklichkeit nicht aus einer materiellen und einer davon getrennten geistigen Welt besteht.
Das ist für mich keine neue Glaubenslehre, sondern eine vorläufige Antwort auf Fragen, die vermutlich größer sind als unser Erkenntnisvermögen. Besonders faszinieren mich die Rätsel der Quantenphysik – dieses Flirren am Rand des Verstehbaren, an dem die vertraute Wirklichkeit ihre scheinbare Selbstverständlichkeit verliert.
Ich lese überwiegend Sach- und Fachbücher, Werke der klassischen Literatur sowie gute Kriminalromane und Thriller. Bei Belletristik bevorzuge ich eine klare, konzentrierte Erzählweise. Ausufernde Nebenhandlungen, psychologische Endlosschleifen und übermäßige Detailverliebtheit lassen meine Aufmerksamkeit rasch erlahmen.
Das ist kein Qualitätsurteil über Literatur, sondern ein Eingeständnis über mein Lesertemperament: Für erzählerische Barockgärten fehlt mir meist die Geduld.
Verantwortung statt Gesinnung
Politisch und persönlich fühle ich mich vor allem der Verantwortungsethik verpflichtet. Gute Absichten genügen mir nicht. Entscheidend ist, welche Folgen eine Entscheidung voraussichtlich haben wird, wer diese Folgen tragen muss und ob der Handelnde bereit ist, dafür einzustehen.
Gesinnungsmoralisten sind mir ein Gräuel. Sie neigen dazu, sich für die Lauterkeit ihrer Motive selbst Absolution zu erteilen. Wenn das Ergebnis verheerend ausfällt, waren angeblich nie die eigenen Vorstellungen falsch, sondern stets die Umstände, die Gesellschaft oder irgendwelche finsteren Gegner. – Gut gemeint ist selten gut gemacht! Diese Haltung produziert zuverlässig mehr Probleme als Lösungen.
Moralisches Handeln zeigt sich nicht darin, wie edel jemand seine Absichten beschreibt, sondern darin, ob er bereit ist, für die vorhersehbaren Folgen seines Wollens und Handelns auch die Verantwortung zu übernehmen.
Spaß mit dem Zeitgeist
Ironie begleitet mich seit jeher. Sie ist für mich kein Ersatz für Argumente, aber ein brauchbares Mittel gegen aufgeblasene Gewissheiten, politische Moden und gesellschaftlichen Größenwahn.
Gelegentlich parke ich deshalb vorsätzlich auf einem sogenannten Frauenparkplatz. Das ist kein ziviler Ungehorsam, weil ich dabei gegen kein Gesetz verstoße. Es ist eher ziviler Unfug – und auch der kann bisweilen eine staatsbürgerliche Funktion erfüllen.
Wer mich dort wegen meines offenkundig männlichen Erscheinungsbildes belehrt, riskiert die Antwort:
„Nur weil ich wie ein Mann aussehe, heißt das heutzutage noch lange nicht, dass ich auch einer bin.“
Die verdutzten Gesichter wären es regelmäßig wert, fotografisch archiviert zu werden.
Mancher hält mich wegen solcher Späße für zynisch. Ich halte dagegen:
„Ich kann nichts dafür, ich komme aus Ironien,
das liegt am Sarkastischen Meer,
nahe der Zynischen Berge.“
Privat
Seit fast fünf Jahrzehnten bin ich glücklich mit der besten Ehefrau von allen verheiratet. Wir haben zwei erwachsene, wohlgeratene Kinder und leben in Schwabach, im schönen Mittelfranken. Es ist eine Rückkehr zu den Wurzeln, denn meine Familie väterlicherseits war über Generationen hier beheimatet.
Eltern tragen nach meiner Überzeugung die Verantwortung, ihren Kindern ein liebevolles Zuhause, verlässliche Bindungen und die bestmögliche Bildung mitzugeben. Kinder sind kein Besitz ihrer Eltern und kein Material für deren unerfüllte Wünsche. Aufgabe der Eltern ist es, ihnen Wurzeln zu geben und zugleich die Freiheit, ein eigenes Leben zu führen.
Von einem Weiterleben in imaginären Jenseitswelten verspreche ich mir nichts. Wir leben auf sehr konkrete Weise in unseren Nachkommen fort: genetisch sowieso, in Erinnerungen, in weitergegebenem Wissen, in Haltungen, Eigenheiten und Erfahrungen. Das Generationsprinzip ist das einzige ewige Leben, das wir tatsächlich beobachten können.
Nahezu die gesamte belebte Natur investiert erstaunliche Kraft in den Nachwuchs – sieht man einmal von arbeitsscheuen Spezialisten wie dem Kuckuck ab. Der Mensch bildet dabei keine Ausnahme, auch wenn er sich gelegentlich für eine solche hält.
Selbstverständlich darf jeder bewusst kinderlos leben. Freiheit schließt auch Lebensentscheidungen ein, die andere für falsch, kurzsichtig oder bedauerlich halten. Freiheit entbindet jedoch nicht von den gesellschaftlichen Folgen dieser Entscheidungen.
Ein umlagefinanziertes Rentensystem lebt nicht von angesparten Münzen in einem persönlichen Tresor, sondern von den Beiträgen der nachfolgenden Generation. Wer zu dieser Generation nicht durch die Erziehung eigener Kinder beiträgt, sollte nach meiner Überzeugung einen entsprechend höheren finanziellen Beitrag leisten.
Das ist keine Bestrafung der Kinderlosigkeit, sondern eine Frage der Lastengerechtigkeit. Persönliche Freiheit und persönliche Verantwortung gehören zusammen. Wer eine Entscheidung trifft, muss grundsätzlich auch bereit sein, ihre Folgen zu tragen – und darf sie nicht selbstverständlich den Kindern anderer Leute überlassen.
Wer mehr wissen möchte, findet weitere „Ergüsse“ im ausgefüllten FAZ-Fragebogen.









