Wot Se Fack, Deutschland?

Literatur-Rezension
Lesedauer: ca. 3 Minuten

rezensiert von Kurt O. Wörl

Wot Se Fack, Deutschland?

Warum unsere Gefühle den Verstand verloren haben

Satirisch-humorvolle Gesellschaftskritik

Autor: Vince Ebert

Ein mutiges Buch, das hoffentlich nicht jedem gefallen wird, am wenigsten dem im Buch kräftig durch den Kakao gezogenen, progressiven, links-grünen politischen Spektrum.

ISBN-10: ‎ 3423264160
ISBN-13: ‎ 978-3423264167

304 Seiten, erschienen am 14. August 2025,
dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG

E-Book (Kindle-Ausgabe):

ASIN: B0DKTP1PS3

305 Seiten, erschienen am 14. August 2025,
dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG

Hörbuch:

von Vince Ebert selbst gelesen

ASIN: B0FHKLC966

9 Stunden, 32 Minuten, erschienen 14. August 2025
Verlag Herbert Management

Klappentext auf der Rückseite

Auf Langeoog blockieren Touristen Rettungswägen, weil sie mit klimaschädlichem Diesel fahren. Die Deutsche Bahn muss einem männlichen Zuggast Schmerzensgeld zahlen, nachdem sie ihn mit „Herr“ angesprochen hat, er sich aber als Frau identifiziert. In Krefeld wollte ein Iraner mit 27 verschiedenen Identitäten ein Kino anzünden. Vermutlich war ihm der Ticketpreis für so viele Personen zu hoch.

 

Der Wissenschaftskabarettist blickt auf sein Land und fragt sich: Wot Se Fack?

 

Die Welt ist aus den Fugen geraten, nachdem Gefühle mehr zählen als Fakten. Vince Ebert beschreibt, wie heute Politik und Ideologie über Wissen und Tatsachen gestellt werden. Der Zeitgeist hat sich mehr und mehr von der Wissensgesellschaft und einer offenen Debattenkultur verabschiedet. Ebert nimmt diese Entwicklung aufs Korn, ordnet sie historisch ein und fordert eine Renaissance der Aufklärung: zurück zum gesunden Menschenverstand und raus aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit.

 

„Wot se Fack“ – ein Weckruf für das, was unsere abendländische Kultur ausmacht: Rationalität, Selbstbestimmung und Meinungsfreiheit. Oder wie es Kant formulierte: Habe Mut, Dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. Auch dann, wenn du keinen hast.

Rezension

Eigentlich kennen wir Vince Ebert vor allem als Wissenschaftskabarettisten, der als gelernter Physiker sein Publikum mit witzigen Auftritten zu wissenschaftlichen Themen unterhält. In seinem neuen Buch verlässt er sein Haupt-Genre und begibt sich auf das verminte Feld der Gesellschaftskritik. Dies aber, wie man es von ihm gewohnt ist, auf sehr witzige und unterhaltsame Weise, im Stile eines stark satirischen Buches. 

Das Buch Wot Se Fack, Deutschland? von Vince Ebert ist kein Roman, sondern ein zugespitztes Sachbuch mit satirisch-kabarettistischem Ton. Es ist im Kern eine Streitschrift über den Zustand der öffentlichen Debatten in Deutschland.

Der rote Faden ist einfach: Ebert behauptet, dass in Politik, Medien und Gesellschaft Gefühle, Moral und Ideologie zunehmend wichtiger geworden sind als Fakten, Wissenschaft und nüchterne Analyse.

Er arbeitet sich an vielen aktuellen Themen ab – etwa Energiepolitik, Universitäten, Migration oder gesellschaftliche Debattenkultur – und zeigt dabei immer wieder dass Entscheidungen aus seiner Sicht zu oft nach Bauchgefühl statt nach überprüfbaren Daten getroffen werden.

Inhaltlich lässt sich das Buch in drei grobe Teile denken:

Zunächst zeichnet Ebert einen historischen Bogen: von der Aufklärung bis heute. Seine These: Die westliche Welt habe sich mühsam von Aberglauben und Mythen zu Wissenschaft und Vernunft entwickelt – und drohe nun wieder Rückschritte zu machen.

Im zweiten Teil analysiert er aktuelle Entwicklungen. Er kritisiert, dass Fakten relativiert, Experten diskreditiert und Debatten moralisch aufgeladen werden. Beispiele sind etwa Diskussionen an Universitäten, sogenannte „Safe Spaces“ oder der Umgang mit widersprechenden Meinungen.

Im dritten Teil formuliert er seinen Gegenentwurf: eine Rückkehr zu den Prinzipien der Aufklärung. Gemeint ist damit ein stärkerer Fokus auf überprüfbare Argumente, Wissenschaft, individuelle Verantwortung und Meinungsfreiheit.

Stilistisch verbindet er dabei Humor mit wissenschaftlichen Argumenten. Das Buch ist bewusst zugespitzt und teilweise polemisch, will aber vor allem zum Widerspruch und Nachdenken anregen.

Kurz gesagt: Ebert sieht Deutschland in einer Phase, in der Emotionen den Ton angeben und Vernunft an Boden verliert – und fordert als Gegenmittel eine Art „zweite Aufklärung“.

Prädikat: Überaus lesenswert, sehr unterhaltsam mit vielen Lachsalven gespickt, auch wenn einem bei manchen Schilderungen des Irrsinns unserer Zeit das Lachen im Hals stecken bleibt. Es ist mutiges Buch, das hoffentlich nicht jedem gefallen wird, am wenigsten dem im Buch kräftig durch den Kakao gezogenen, progressiven, links-grünen politischen Spektrum.


Vince Ebert im Cicero-Interview 

Der Autor im Interview beim Magazin für politische Kultur „Cicero“ nach Erscheinen seines Buches „Wot Se Fack, Deutschland“ (54 Minuten):

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