Control

Literatur-Rezension
Lesedauer: ca. 3 Minuten

rezensiert von Kurt O. Wörl

Control

Autor: Daniel Suarez

Ein Tech-Triller

Was, wenn technologischer Fortschritt nicht fehlt, weil er noch nicht entdeckt wurde – sondern weil er aktiv unterdrückt wird?

Taschenbuchausgabe:

ISBN-10: ‎ 3499268639
ISBN-13: ‎  978-3499268632

496  Seiten, erschienen am 24. Oktober 2014,
Rohwolt-Verlag

E-Book:

ASIN: B00KL226HW
ISBN-13: ‎ 978-3644525313

erschienen am 24. Oktober 2014,
Rohwolt-Verlag

Hörbuch:

gelesen von Uve Teschner

ASIN: B00O7QYKPO

13 Stunden, 50 Minuten, erschienen 24. Oktober 2014
Argon-Verlag


Klappentext auf der Rückseite

1969 eroberte der Mensch den Mond. Und was ist die größte Errungenschaft unseres Jahrhunderts? Facebook? Was wurde aus den Visionen der Vergangenheit? Warum gibt es keine großen Erfindungen mehr?

Als dem Physiker John Grady die Aufhebung der Schwerkraft gelingt, hofft er auf den Nobelpreis. Doch statt Gratulanten kommen Terroristen. Grady stirbt. Das melden zumindest die Medien. Tatsächlich erwacht der Wissenschaftler in Gefangenschaft: Das hochgeheime „Bureau of Technology Control“ entführt seit Jahrzehnten die brillantesten Wissenschaftler. Zum Schutz der Menschheit, angeblich, denn für Kernfusion und andere Erfindungen sei der Homo Sapiens noch nicht weit genug.

Für die Gefangenen gibt es nur eine Wahl: Entweder Kooperation – oder eine türlose Zelle im Fels, tief unter der Erde. Doch die neuen Herren der Welt haben die Rechnung ohne Grady gemacht.

Rezension

Was für ein Buch! Eine Mischung aus Action-Thriller, Polit-Thriller und Science Fiktion. Der Autor Daniel Suarez liefert mit „Control“ einen Ausnahme-Thriller, der weit über gewöhnliche Spannungsliteratur hinausgeht.

Was dieses Buch zunächst auszeichnet, ist seine seltene intellektuelle Fallhöhe. Während viele Tech-Thriller technische Begriffe nur als Dekoration verwenden, erzeugt Suarez den Eindruck echter technischer Substanz. Seine Konzepte wirken nicht wie beliebige Science-Fiction-Magie, sondern wie extrapolierte Ingenieurs- und Physikideen, die zumindest plausibel genug sind, um den Leser vollständig in die erzählte Welt hineinzuziehen.

Gerade darin liegt die eigentliche Stärke des Romans: Er behandelt den Leser nicht wie einen Konsumenten einfacher Actionware, sondern wie einen denkenden Erwachsenen.

Jon Grady ist kein standardisierter Actionheld, sondern ein Wissenschaftler, dessen stärkste Waffe zunächst sein Verstand ist. Das gibt dem Roman eine erfreuliche intellektuelle Erdung. Wenn sich die Handlung später zu größeren Konfrontationen steigert, wirkt das nicht wie ein Selbstzweck, sondern als logische Konsequenz der Ausgangsidee.

Besonders gelungen ist Suarez’ zentrale Prämisse:
Was, wenn technologischer Fortschritt nicht fehlt, weil er noch nicht entdeckt wurde – sondern weil er aktiv unterdrückt wird?

Diese Idee trägt den gesamten Roman mit enormer Energie. Sie öffnet einen Denkraum, der weit über die eigentliche Handlung hinausweist. Der Leser beginnt automatisch, reale Innovationssprünge, historische Verzögerungen und technologische Machtstrukturen anders zu betrachten. Gute Science Fiction tut genau das.

Auch das Erzähltempo ist bemerkenswert. Trotz komplexer Themen verliert der Roman kaum an Zugkraft. Suarez beherrscht die seltene Kunst, Exposition, Wissenschaft und Spannung so zu verweben, dass selbst erklärungsintensive Passagen den Lesefluss nicht bremsen.

Hinzu kommt eine fast filmische Visualität. Viele Szenen lesen sich, als seien sie bereits für eine hochwertige Kinoadaption vorbereitet: präzise, dynamisch, bildstark.

Natürlich verlangt das Buch Bereitschaft, spekulative Prämissen zu akzeptieren. Wer absolute naturwissenschaftliche Strenge erwartet, wird Einwände finden. Aber das verfehlt den Punkt. „Control“ ist kein Fachbuch, sondern intelligente spekulative Spannungsliteratur.

Fazit:

Ein hochintelligenter, druckvoll erzählter Techno-Thriller für Leser, die Spannung nicht auf Schießereien reduzieren. Daniel Suarez verbindet wissenschaftliche Imagination, politische Machtfragen und klassische Thrillermechanik zu einem Roman, der im Genre klar über Durchschnitt liegt.

Bewertung: 5/5 Sternen

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