Autor: Kurt O. Wörl
Ein Wort, zwei Haltungen. – Zwischen Berufung und Geschäftsmodell verläuft eine Linie, die man erst erkennt, wenn man selbst im Wartezimmer sitzt. Wer fragt nach dem Menschen – und wer nach der Versicherungskarte? Wer bleibt, wenn es ernst wird – und wer verweist weiter Ein kurzer Text über verlorenes Ethos, über Fünf-Minuten-Medizin und über jene wenigen, die noch als Ärzte im eigentlichen Sinn handeln.
Ich unterscheide zwischen Ärzten und Medizinern. Warum?
Was ist Arzt?
Nun, ein Arzt ist jemand, der seine Patienten nach ihrem Leiden fragt, sich Zeit nimmt, um sie gewissenhaft zu untersuchen, eine Diagnose stellt und dann mit all seiner Kunst versucht, das Leiden zu heilen oder wenigstens bestmögliche Linderung angedeihen zu lassen. Hausbesuche bei fiebernden oder nicht mobilen Patienten gehören bei ihm als Selbstverständlichkeit zum Arztberuf. Ein Arzt übt seine Berufung aus. Gewissen, humanitäres Mitgefühl, Ethos und Anstand sind die tragenden Säulen seiner Tätigkeit. Die Art der Krankenkasse oder die Zahlungskraft sind für sein Tun keine Kategorien. Manche behandeln sogar Mittelose kostenfrei, oder leisten ehrenamtlich in Hilfsorganisationen medizinische Hilfe. Sie sind getragen von tiefer humanitärer Gesinnung. – Von ihrer Art gibt es leider immer weniger, aber es gibt sie noch.
Wer ist Mediziner?
Ein Mediziner ist jemand, der seine Patienten zunächst nach Krankenkasse – „privat oder gesetzlich“ – oder Zahlungskraft befragt, im Fünf-Minuten-Takt Diagnosen stellt und dann entsprechend des Budgets oder des Versicherungsumfangs eine von diesen gerade noch abgedeckte Behandlung anbietet.
Der zu verrechnende Betrag für die Einzelleistungen interessiert ihn mehr als die Heilung oder Linderung des Leids. Weitere fünf Minuten widmet er dann häufig noch dem Marketing für kostenpflichtige IGeL-Leistungen. Für Notfälle zu Hause empfiehlt er, den Notarzt zu rufen. Wenn man Glück hat, kommt er im Todesfalle ins Haus, um eine Sterbebescheinigung auszustellen.
Mediziner sind in erster Linie gewinnorientierte Unternehmer, sie kennen meist nur eine tragende Säule ihres Tuns: Ihr Einkommen. Und am weitesten entfernt vom Ärzte-Nimbus befinden sich jene Mediziner, die in, von profitorientierten Investoren getragenen Praxen ihrer Tätigkeit nachgehen und sich von diesen zu möglichst teuren Therapien drängen lassen. – Davon gibt es inzwischen viel zu viele.








