Der genehmigte Mann

Satire: Grünes Männer-Manifest und die Kunst, Klischees neu zu etikettieren
Lesedauer: ca. 3 Minuten

Der genehmigte MannAutor: Kurt O. Wörl

13 Bündnis-Grüne – darunter die Parteivorsitzende, Franziska Brantner und ihre Vorgängerin, Ricarda Lang – wollten den modernen Mann neu erfinden. Sie haben nämlich festgestellt, dass ihr bisheriges Männerbild für sie eher weniger als mehr Männer an die Wahlurne lockt. Demoskopisch wäre die Überlegung nachvollziehbar: Über 25% der Männer im Alter zwischen 18 und 24 wählten bei der Bundestagswahl im letzten Jahr AfD.

Herausgekommen ist eine Art Bedienungsanleitung. Fünf Seiten voller guter Absichten, alter Klischees, Vor- und Pauschalurteile und erstaunlich vieler Widersprüche. – Das musste satirisch begleitet werden:

Der genehmigte Mann

Früher war der Mann ein Problem.
Heute ist er ein Projekt.
Das ist Fortschritt.

Früher hatte man echte Männer.
Heute hat man Männerbilder.
Die sind viel praktischer.
Bilder widersprechen nicht.

Das Männer-Manifest der Grünen beginnt mit der Geschichte des Mannes.
Sie ist kurz:
Der Mann herrschte. – Immer!
Der Mann unterdrückte. – Ständig!
Männer wollten Macht. – Offenbar ausnahmslos alle.

Es gab zwar auch 
Dichter, Pfarrer, Handwerker, Väter, Soldaten, Erfinder, Musiker, Lehrer.
Und auch manchen Buchhalter, der sich sein Leben lang vor seiner Frau fürchtete.
Aber die zählen vermutlich nur als Tarnung.

Man muss Geschichte vereinfachen, sonst wird sie zu kompliziert.

Nun wird der Mann neu erfunden. – Der alte war falsch – toxisch –
also giftig, mithin ungenießbar.
Der neue ist richtig. So einfach kann in grünen Köpfen die Welt sein.

Der neue Mann darf stark sein. Aber Stärke muss beantragt werden.
Sie darf niemanden beeindrucken.
Sie darf niemandem überlegen sein.
Sie soll möglichst gar nicht auffallen.
Am besten ist Stärke, die aussieht wie eine Entschuldigung.

Der neue Mann darf beschützen.
Aber bitte ohne Beschützer zu sein.
Er darf führen.
Aber nur, wenn niemand merkt, dass er führt.

Er darf Erfolg haben.
Aber Erfolg riecht verdächtig nach Ehrgeiz.
Weil: Ehrgeiz grenzt schon an Dominanz.
Dominanz ist bekanntlich der Anfang von allem.
Von der Römerzeit bis zum Grillabend heute.

 


Plauderei zum Thema

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Der neue Mann darf Gefühle zeigen.
Unbedingt!
Er soll weinen.
Reden.
Reflektieren.
Verarbeiten.
Einordnen.
Kommunizieren.
Validieren.

Und wenn er damit fertig ist, darf er noch kurz den Müll rausbringen.
Natürlich alles in allem sehr achtsam.

Besonders schön ist der Satz im Manifest, man wolle „keine Regeln aufstellen“.
Das erkennt man sofort. – Denn es folgen nur noch Regeln.

Der Mann soll dies.
Der Mann soll das.
Der Mann soll jenes.

Vor allem soll er endlich der Mann werden, den andere sich für ihn ausgedacht haben.
Das nennt man Freiheit.

Man kennt das:
Der Vegetarier ist frei.
Er darf alles essen.
Außer Fleisch.

Der Autofahrer ist frei.
Er darf überall hin.
Zu Fuß.

Und der Mann ist frei.
Er darf alles sein.
im Rahmen des Manifests natürlich.

Es gibt auch Bösewichter.
Andrew Tate. Natürlich!

Jedes Manifest braucht einen Drachen.
Sonst wirkt der Held so arbeitslos.

Überhaupt lieben die Manifestierer Feindbilder.

Früher war es der Patriarch.
Heute ist es der Influencer.
Morgen findet sich bestimmt noch einer.
Das spart das Denken.

Denn wer einen Feind hat, muss keine Fragen mehr stellen.
Am Ende heißt es, der Mann solle endlich der sein dürfen, der er sein möchte.
Ein schöner Satz. – Der schönste gar des ganzen Textes.

Schade nur, dass ihm vier Seiten vorausgehen, auf denen ausführlich erklärt wird,
wie er gefälligst sein soll.

Vielleicht ist Männlichkeit auch nur etwas ganz Banales.

Anständig sein.
Verlässlich sein.
Für andere einstehen.
Sein Wort halten.
Kinder mögen.
Schwächeren helfen.
Arbeiten.
Lachen.
Scheitern
und wieder aufstehen.

Ohne Manifest.
Ohne Umerziehung.
Ohne pädagogischen Beipackzettel.

Einfach als Mensch.
Das war jahrhundertelang gar keine so schlechte Idee.
Und die taugte für Männer und Frauen gleichermaßen.


Sie wollen erfahren, was Grüne unter Männlichkeit verstehen?

Download: Das Männermanifest von B90/Grüne (2 Downloads )


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