Notabene: Heute fiel mir auf

Kellerfunde und wahre Werte
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Notabene: Heute fiel mir aufAutor: Kurt O. Wörl

Heute schaute ich „Bares für Rares“. Das ist ein rechtes Praktikum für angehende Psychologen. Da stapfen sie bewegten Gesichts zum Richtertisch, woran ein Prüfer und daneben der mächtig beschnurrbarte Horst stehen. Der Experte beurteilt das Mitgebrachte und bewertet dann in Euro, während Horst dazwischen plappert und das „Du“ anbietet.

Zuerst stieren die Leute auf ihre Kostbarkeiten, dann auf den Prüfer und sperren die Öhrchen auf, was er wohl sagen täte. Und dann verziehen sie ihre Schnuten, wenn es nicht wenigstens über tausend Euro wert ist, was sie da angekarrt hatten.

Was im Einzelnen aber das Schöne an den Prüfern ist, sie belehren mich über vieles Mitgebrachte aufs Aufwendigste, sodass ich mir danach recht gebildeter vorkomme als vorher. Und das will doch schon viel heißen.

Und dann sind die Leute sauer über zu niedrige richterliche Abschätzigkeiten ihres Krempels. Wer von Euch Flunsche studiert, der findet hier bestes anatomisches Vergnügen. Ich amüsiere mich herrlich über diese Gierleute des mittleren Bürgertums. Denn wahre Gesellschaft bringt weder Krempel noch Wertgegenstände vor das Fernsehen, um gesehen zu werden, sondern sie hat eben, was ihr gebührt, zu Hause – und dort bleibt es. Die Manieren aber der Bourgeoisie waren immer schon allein vom Profit und Effekt bestimmt. Daran unterscheiden sie sich von wahren Damen und Kavaliers. A votre santé!

Außerdem sank ich heute in trübes Grübeln. Beim Aufschlagen eines mir sonst sehr selten in die Hände fallenden Buches aus der Barockzeit, da fielen mir gepresste Blumen in die Augen. Wer legte sie hinein? Nun wohl, meine teuerste und holdeste Gattin und des Hauses Ehre liebte es immer, aus der Natur gepflückte und mitgebrachte Blümchen zwischen Buchseiten zu trocknen. Hauptsache, die Buchblätter schienen von der Qualität besessen, Feuchtes aufzusaugen. Mir schwant also, dass ich eine etwa dreißig Jahre zurückliegende Bedarfspresse fand. Oder aber liebliche Gedanken durchflossen eine Leserin etwa anno 1730 und sie streute Blüten als Lesefindezeichen zwischen geliebte Seiten, eben diese Trockenzerfallsprodukte aus einer Wiese: Blümchen. Schaue ich mit der Lupe genauer hin, dann lasse ich es bei Letzterem bewenden.

Ich sammle aber lieber Schätze, die die Motten und der Rost nicht zerfressen können, also ewige Güter des Geistes.

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