Mein Credo

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Mein CredoAutor: Kurt O. Wörl

Was trägt, wenn Gewissheiten brüchig werden? Was bleibt, wenn Regeln von außen nicht überzeugen? Woran misst sich Freiheit, wenn sie nicht nur Anspruch, sondern auch Pflichten in sich birgt?

Mein Credo will keine für jeden verbindliche Leitsätze aufstellen. Es stellt den Menschen – in diesem Fall mich – vor sich selbst. Es spricht von Verantwortung ohne Moralismus, von Dialog statt Rechthaberei, von Maß statt Übermaß. Und von der stillen Arbeit, die nötig ist, damit Freiheit, Vernunft und Mitgefühl nebeneinander bestehen können. Diese Haltung brachte mich bislang gut durchs Leben, erlaubte mir ein zufriedenes Sein im Kreise meiner Mitmenschen.

Mein Credo

Ich glaube nicht an die Ideale jener,
die das Leben bis ins Private verordnen wollen,
sondern an Erfahrungen, die das Leben formen.

Ich glaube nicht an Moral,
die von außen diktieren will,
sondern an Ethik und Einsicht, an ein inneres Wissen,
das aus Liebe, Leid und Erinnerung wächst.

Ich misstraue allen reinen Lehren,
und ich misstraue Menschen, die glauben,
im Besitz der Wahrheit zu sein.

Ich ziehe dem Postulat den Dialog vor,
dem Geplärre das Nachfragen,
der Gesinnung die Verantwortung
dem Übermaß das Maßhalten.

Ich erkenne im Menschen kein über allem stehendes Wesen,
aber eines, das Würde besitzt und ein fähiges Wesen:
fähig zu Mitgefühl,
fähig zur Vernunft,
fähig zu Wachsamkeit auf andere – und auf sich selbst.

Freiheit ist des Menschen höchstes Gut,
aber sie enthält auch Pflichten:
die Pflicht die Freiheit des anderen wie die eigene zu wahren
und wenn es nötig ist, sie zu verteidigen.
die Pflicht, sich an geltendes Recht zu halten,
die Pflicht, gesellschaftliche Aufgaben gewissenhaft zu erfüllen,
die Pflicht, Verantwortung für das eigene Handeln
und dessen Folgen zu tragen.
die Pflicht, Maß zu halten
und Macht nicht zu missbrauchen,

Ich halte mich an einfache Regeln:
„Füge keinem zu, was Du selbst nicht erleiden magst.“
Solche tragen weiter als abstrakte Ideen und sturer Moralismus.

Ich strebe nicht nach dem Größten, dem Besten, dem Ultimativen,
sondern nach Ausgewogenheit, nach der Mitte,
nicht nach Rechthaben um jeden Preis, sondern nach Verstehen,
nicht nach Trennung, sondern nach Verbindung.

Toleranz ist eine Tugend nur dort,
wo niemand sie einfordert, 
aber jemand sie gewährt – aus Einsicht, aus Mitgefühl,
aus stiller Verbundenheit mit dem Leben, als Geschenk.
Wer sie für sich fordert, verdient sie selten.

Dies alles meinte wohl Albert Schweitzer
als er nach langem Suchen fand, was ihn antrieb:
„Die Ehrfurcht vor dem Leben“


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