Der Fuchs

Literatur-Rezension
Lesedauer: ca. 3 Minuten

rezensiert von Kurt O. Wörl

Der FuchsDer Fuchs

Autor: Frederick Forsyth

Spionage-Thriller

Was, wenn die gefährlichste Waffe der Welt keine Rakete, kein Tarnkappen-U-Boot und kein Computerprogramm ist?

Taschenbuchausgabe:

ISBN-10: ‎ ‎ 3328106375
ISBN-13: ‎ 978-3328106371

336  Seiten, erschienen am 9. November 2020,
Penguin-Verlag

E-Book:

ASIN: B07VMSSCJ9
ISBN-13: ‎978-3641246969

erschienen am 4. November 2019,
C. Bertelsmann Verlag

Hörbuch:

gelesen von Walter Kreye

ASIN: B07ZVTD536

10 Stunden, 9 Minuten, erschienen 4. November 2019
Audible-Verlag


Klappentext auf der Rückseite

Was, wenn die gefährlichste Waffe der Welt keine Rakete, kein Tarnkappen-U-Boot und kein Computerprogramm ist? In einer Nacht- und Nebelaktion wird in der Nähe von London ein Hacker festgesetzt, weil er das Sicherheitssystem des Pentagon geknackt hat. Doch schnell ist der amerikanischen Regierung klar, dass der junge Mann nicht nur eine Bedrohung ist – sondern ein tödliches Instrument im Kampf gegen die östliche Welt, wenn man seine Fähigkeiten richtig einsetzt. Denn er allein ist in der Lage, die internationale Vorherrschaft für immer aus dem Gleichgewicht zu bringen. Im Fadenkreuz der Großmächte beginnt für den jungen Hacker ein Wettlauf gegen die Zeit – und ohne Entkommen …

Frederick Forsyth, der Großmeister des Spionage-Thrillers, trifft mit »Der Fuchs« den Nerv unserer Zeit.

Rezension

Frederick Forsyth nimmt unter den Thrillerautoren m.E. eine Sonderstellung ein. Seine Romane sind Fiktion, aber sie beruhen häufig auf einem Fundament aus realen politischen Ereignissen, bekannten Arbeitsweisen von Geheimdiensten und sorgfältiger Recherche. Das gilt auch für „Der Fuchs“.

Man kann den Roman grob in drei Ebenen aufteilen: Tatsachen, plausible Spekulation und literarische Erfindung.

Die historische und politische Kulisse ist weitgehend real. Die Rivalität zwischen den USA, Großbritannien, Russland und China im Cyberraum entspricht dem tatsächlichen Stand der internationalen Sicherheitslage. Dass Geheimdienste heute einen erheblichen Teil ihrer Ressourcen in Cyberoperationen investieren, ist unbestritten. Die Existenz von Organisationen wie der britischen GCHQ, des MI6, des MI5 oder der amerikanischen NSA und CIA ist selbstverständlich keine Fiktion. Auch ihre Zusammenarbeit innerhalb des sogenannten Five-Eyes-Verbundes entspricht der Realität.

Besonders glaubwürdig schildert Forsyth die Organisationskultur der Nachrichtendienste. Entscheidungen entstehen selten durch einen einzelnen genialen Agenten. Vielmehr treffen Ministerien, Geheimdienste, Militär und politische Berater gemeinsam Abwägungen. Diese bürokratischen Abläufe wirken im Roman oft erstaunlich authentisch. Forsyth kannte viele ehemalige Nachrichtendienstler persönlich und hatte während seiner Zeit als Journalist engen Kontakt zu Sicherheitskreisen. Er behauptete zwar nie, Geheimagent gewesen zu sein, räumte aber ein, gelegentlich Informationen für britische Stellen weitergegeben zu haben.

Die eigentlichen Operationen sind dagegen schwieriger zu beurteilen. Hier verwendet Forsyth eine Technik, die ihn seit Der Schakal berühmt gemacht hat: Er beschreibt erfundene Operationen so detailliert, dass sie wie Tatsachen wirken. Die technischen Einzelheiten, die militärischen Verfahren und die diplomatischen Hintergründe sind meist korrekt. Daraus entsteht der Eindruck, die gesamte Handlung müsse ebenfalls wahr sein.

Gerade in „Der Fuchs“ fällt auf, dass die Fähigkeiten des jugendlichen Autisten weit über das hinausgehen, was Fachleute für realistisch halten würden. Aber Inselbegabte, sog. Savants, können oft erstaunliche Dinge und das lässt die Story  so glaubwürdig erscheinen.

Dass Regierungen versuchen würden, eine derart außergewöhnliche Fähigkeit sofort geheimzuhalten, den Betreffenden unter Kontrolle zu bringen und strategisch einzusetzen, erscheint durchaus plausibel. Historische Beispiele zeigen, dass Staaten bei technologischen Durchbrüchen ähnlich handeln – sei es bei der Kryptographie, der Kernphysik oder heute bei der künstlichen Intelligenz.

Bemerkenswert ist auch, was Forsyth bewusst offenlässt. Ehemalige Geheimdienstmitarbeiter haben mehrfach bestätigt, dass seine Romane weniger durch spektakuläre technische Details überzeugen als durch das Denken der handelnden Personen. Die Vorsicht, das Misstrauen zwischen Verbündeten, die Rivalität verschiedener Behörden und die politische Abwägung zwischen Risiko und Nutzen entsprechen weitgehend dem, was aus freigegebenen Regierungsakten bekannt ist.

Literarisch arbeitet Forsyth mit einer Methode, die man als dokumentarischen Realismus bezeichnen kann. Er mischt überprüfbare Tatsachen mit erfundenen Details so sorgfältig, dass die Übergänge kaum noch sichtbar sind. Diese Technik erinnert eher an einen investigativen Bericht als an einen klassischen Abenteuerroman. Genau deshalb wirken seine Bücher oft glaubwürdiger als viele andere Thriller.

Mein Eindruck ist daher: Der Fuchs ist kein Enthüllungsbuch über tatsächliche Geheimdienstoperationen. Wer den Roman jedoch liest, erhält ein erstaunlich realistisches Bild davon, wie westliche Nachrichtendienste denken, Entscheidungen treffen und strategisch handeln. Die konkrete Handlung ist Fiktion, die institutionellen Mechanismen und die geopolitische Kulisse liegen dagegen näher an der Wirklichkeit, als man es bei einem Thriller zunächst vermuten würde. Gerade diese Mischung macht einen wesentlichen Teil von Forsyths literarischer Stärke aus.

Bewertung: 5/5 Sternen

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