Autor: Kurt O. Wörl
Wir leben in einer Zeit, in der fast jeder jederzeit etwas sagen kann – und viele offenbar fest entschlossen sind, davon Gebrauch zu machen. Das Problem ist nur: Reden allein ist noch kein gutes Gespräch. Und eine Antwort ist noch lange kein Beweis dafür, dass man auch zugehört hat.
Besonders schwierig wird es dort, wo Meinungen aufeinandertreffen. Dann werden aus Argumenten schnell Unterstellungen, aus Missverständnissen Gewissheiten und aus einzelnen Worten jene kleinen Sprengsätze, mit denen man Gespräche sehr zuverlässig beendet.
Dabei wären vernünftige Gespräche gar nicht so kompliziert. Man müsste dem anderen zunächst einmal zutrauen, etwas Vernünftiges meinen zu können. Man müsste versuchen verstehen wollen, bevor man widerspricht oder gar urteilt. Und man sollte gelegentlich sogar den beunruhigenden Gedanken zulassen, dass der andere vielleicht sogar recht haben könnte.
Für solche gefährlichen Übungen im vernünftigen Miteinander gibt es zwölf bemerkenswert einfache Gebote für ein gutes Gespräch:
Rechte und Pflichten derer,
die von ihren Mitmenschen lernen wollen
- Jeder Mensch hat das Recht auf die wohlwollendste Auslegung seiner Worte.
- Wer andere zu verstehen sucht, dem soll niemand unterstellen,
er billige schon deshalb deren Verhalten. - Zum Recht, ausreden zu dürfen, gehört die Pflicht, ich kurz zu fassen.
- Jeder soll im voraus sagen, unter welchen Umständen er bereit wäre,
sich überzeugen zu lassen. - Wie immer man die Worte wählt, ist nicht sehr wichtig.
Es kommt darauf an, verstanden zu werden. - Man soll niemanden beim Wort nehmen, wohl aber das ernstnehmen,
was er gemeint hat. - Es soll nie um Worte gestritten werden, – allenfalls um die Probleme,
die dahinter stehen. - Kritik muß immer konkret sein.
- Niemand ist ernstzunehmen, der sich gegen Kritik unangreifbar gemacht,
also ‚immunisiert‘ hat. - Man soll einen Unterschied machen zwischen Polemik,
die das Gesagte umdeutet, und Kritik, die den anderen zu verstehen sucht. - Kritik soll man nicht ablehnen, auch nicht nur ertragen,
sondern man soll sie suchen. - Jede Kritik ist ernstzunehmen, selbst die in böser Absicht vorgebrachte;
denn die Entdeckung eines Fehlers kann uns nur nützlich sein
Plauderei zum Thema (KI)
Podcast: Notabene - Das gute Gespräch (2 Downloads )








