"Linker" Meinungsterror erreicht Dieter Nuhr:

Fake-News der Kieler Nachrichten

Autor: Kurt O. Wörl

“Wenn einer bei uns einen guten politischen Witz macht, dann sitzt halb Deutschland auf dem Sofa und nimmt übel.”

Mit diesen Worten leitete Kurt Tucholsky einst einen Essay mit dem Titel “Was darf Satire?”  1 ein. Tucholskys Beitrag endet mit dem Resümee

“Was darf Satire? – Alles.”

Dieses Resümee wird von Satirikern heute sehr gerne zitiert, wenn sie wegen ihrer satirischen Beiträge in öffentliche Kritik geraten. Jan Böhmermann z.B. reizt Tucholskys Postulat bekanntlich sehr gerne bis an die Grenzen des Erträglichen aus – und erfährt bei Kritik meist breite mediale Unterstützung. Darauf sollte sich, wenn man Tucholsky recht gibt, eigentlich jeder Satiriker verlassen können. – Und darauf konnte man sich im Nachkriegsdeutschland auch stets verlassen, denn Satire war über sieben Jahrzehnte immer “links” und richtete sich gegen alles, was mit “links” nicht mehr umschrieben werden konnte. Die bürgerliche Mitte und der Konservativismus waren stets das Ziel satirischer Elaborate. Satire gegen “Links” war lange Zeit undenkbar. Zu “linken” Satire-Sendungen wie “Der Scheibenwischer”, mit Dieter Hildebrandt, gab es keine bürgerliche Entsprechung – es sei denn, man wollte das “ZDF-Magazin” mit Gerhard Löwenthal als “Satire” auffassen. 

Warum das so war? Ich denke, weil die politische “Linke” in den ersten Jahrzehnte in unserem Land keine Bedeutung hatte, kaum regieren durfte, wenn man die Regierungen Brandt und Schmidt mal ausklammert. Denn Loser öffentlich zu verarschen, dazu war das bürgerliche Lager damals wohl einfach zu fair.

Deshalb rasten die Genossen samt Grüninnen heutzutage auch so leicht aus, wenn sie von gekonnter und treffender Verarsche heimgesucht werden, weil sie das nicht gewohnt sind. Sie empfinden das dann nicht als Satire, sondern als Hassbotschaften. Plötzlich soll Satire gegen “Links” zulässig sein, wo käme man da hin? Vermutlich sind das die Gründe, warum aus allen Kanonen gegen jeden Comedian geätzt wird, der es wagt, “linke” Wolkenkuckucksheime durch den Kakao zu ziehen. Schließlich bemüht man sich seit fünf Jahren darum, alles, was nicht blütenrein “links” oder “grün” erkennbar ist, als rechtspopulistisch oder gar als Nazi-verdächtig zu denunzieren … oder zu “framen”, wie das heute heißt.

Jetzt also hat es auch einen der beliebtesten deutschen Comedians der ARD, nämlich Dieter Nuhr, erwischt, der es wagte,  “linke” Klimaapokalyptiker und deren “Göttin”, die “heilige” aber schwer pubertierende Greta Thunberg, auf den Arm zu nehmen – und das auch noch sehr gekonnt. – “Linke” Hetzer tröten derweil ziemlich hasserfüllt:

Man darf sich als erwachsener Mann nicht über ein 16jähriges – auch noch autistisches – Mädchen wie Greta Thunberg lustig machen! Man darf kein Kind veräppeln? Es sollte Welpenschutz genießen! 

Tucholsky würde sagen: “Doch, das darf man, weil Satire alles darf!”. Und nein, Welpenschutz ist bei Greta Thunberg überhaupt nicht angesagt, denn sie ist zum einen längst kein Kind mehr seit sie das 14. Lebensjahr überschritten hat. Zum anderen ist sie eine politisch besonders umtriebige Jugendliche, kurz vor dem Erwachsenwerden. Wer ihre perfekt inszenierte “How-dare-you!-Rede” (im Stile des Gollums) vor den Vereinten Nationen gehört und gesehen hat, mit welcher sie mit tiefem Ausdruck des Ekel im Gesicht sie die Staatenlenker beschimpfte, dem sollte klar geworden sein: Diese engagierte junge Frau ist zu allem entschlossen und wünscht vor allem eines, nämlich ernst genommen zu werden – und nicht unter Welpenschutz gestellt zu werden. Und dazu gehört es eben auch, es zu ertragen, Ziel von Kritik, Satire, Karikatur und Spott zu werden. Meiner Beobachtung nach geht die junge Frau mit derartigen Reaktionen selbst auch sehr professionell und gelassen um. – Es ist letztlich auch nur die “links-grüne” Entourage – vor allem in Deutschland – welche Greta Thunberg zur “Heiligen” erhoben hat und sich vehement für ihre Unantastbarkeit einsetzt.

Und dafür scheinen inzwischen alle Mittel recht, selbst Fake News! So unterstellten die “Kieler Nachrichten”, Dieter Nuhr habe in seinem Programm einen “Stalin-Hitler-Vergleich” zu Greta Thunberg gezogen. Das Blatt blieb es freilich schuldig, das entsprechende Zitat wörtlich zu benennen und den Nachweis zu liefern. Doch ein solches konnte die Zeitung auch nicht benennen, denn derartiges hat Nuhr gar nicht von sich gegeben. Dieser Vergleich entstammt ausschließlich der Fantasie des Autors. Die “Kieler Nachrichten” ruderten inzwischen zurück und räumten ein, “unglückliche Formulierungen” gebraucht zu haben. Aber wie das so ist: Andere Medien nahmen – offenbar der Klickzahlen wegen – diese Presse-Ente auf und verbreiteten sie weiter. Das ist ja das “Wunderbare” an Gerüchten: Erstmal verbreitet lassen sie sich nicht mehr einfangen – und ein bisschen was bleibt immer hängen.

Dieter Nuhrs Statement dazu auf Facebook:

Doch ist es gerade die engagierte Glaubensgemeinschaft der Greta-Anbeter, welche die junge Frau und ihr Anliegen instrumentalisieren – man könnte treffender auch von Missbrauch sprechen. Ferdinand Knauss brachte es kürzlich in einem Beitrag auf “Tichys-Einblick” auf den Punkt wenn er schrieb:

“Wer Kinder offen zum politischen Akteur macht, indem er ihnen eine Bühne schafft und sie als Verkünder seiner Botschaften einsetzt, vergreift sich aber nicht nur an den Kindern selbst, sondern verletzt damit die Spielregeln eines freien politischen Diskurses. Denn er spekuliert darauf, dass der Gegner diese schutzwürdigen Noch-Nicht-Bürger nicht scharf angreifen kann, ohne dadurch als ruchlos zu erscheinen. Politisierte Kinder sind im übertragenen Sinne lebendige Schutzschilde gegen das Feuer des politischen Gegners.

Man könnte auch sagen sie werden als Kindersoldaten im politischen Kampf der Erwachsenen verheizt. Ich denke besser kann man weder den Hype noch den Zank um die Überhöhung einer angstgetriebenen aber überaus engagierten Pubertistin nicht beschreiben.

Es bleibt deshalb dabei:

“Was darf Satire? – Alles!”

Das gilt selbstverständlich auch ggü. vorlauten, pubertierenden Gören. Und man kann davon ausgehen, dass Satire immer dann besonders gut gelungen war, wenn von der Verarsche Getroffene besonders heftig aufjaulen. – Man erfährt dann augenblicklich, wer die Übelsten unter den Menschen sind: Das sind immer solche solche, die nicht lachen können, – am wenigsten über sich selbst.

Bild von S. Hermann & F. Richter auf Pixabay


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Quellen/Anmerkungen

  1. verfasst unter dem Pseudonym “Ignaz Wrobel” und im Berliner Tagblatt vom 27.01.1919 veröffentlicht

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