Der große Streit oder ...

Framing, Framing über alles …

Autor: Kurt O. Wörl

Sind Sie “links-grün” versifft oder ein Rechtspopulist? – Ja bitte, Sie müssen sich heutzutage schon entscheiden. Also welcher Typ sind Sie? Gutmenschlicher Teddybärwerfer oder xenophober Rassist – oder beides? Wie bitte? Weder noch?

Keep cool! Die Auswahl müssen Sie gar nicht selbst treffen. Genau genommen haben Sie gar kein Mitspracherecht, wie und wo Sie heutzutage eingeordnet werden. Sie müssen nur Ihre politische Ansicht zu den Themen der Zeit öffentlich von sich geben, dann sorgen schon andere dafür, dass Sie Ihren Platz in der “richtigen” Schublade finden. Und wundern Sie sich bitte nicht, wenn Sie sich als evtl. “links-grün versiffter Rechtspopulist” gleich in beiden Schubladen wiederfinden. – Jedenfalls ging es mir schon so: Von “linker Ratte” bis “Rechts-verdächtig” liege ich bereits in allen dazwischen liegenden Schubladen verteilt. – Die Wahrheit liegt halt doch immer im Auge des Betrachters!

Wie, das wäre Unsinn? Ja klar ist das Unsinn, aber das macht doch nichts! Das passt nämlich wunderbar zum politischen Narrenschiff, auf welchem uns Angela Merkel seit 14 Jahren durch die Stürme der Zeit lenkt. Ein Schiff, auf dem alle Konstanten zu Variablen wurden und auf welchem sich sogar “Linke” schon mal gegenseitig das Hakenkreuz auf die Stirn stempeln, sollten diese Gestempelten eine kritische Haltung zu Angela Merkels Migrationspolitik erkennen lassen. Man kann heute alles in einem beliebigen Rahmen erscheinen lassen. Man nennt das neudeutsch dann “Framing”! – Hauptsache, am Ende schreien sich alle an und beschimpfen sich, keiner kann den Anderen mehr leiden, langjährige Freundschaften gehen flöten und alles endet in einem großen Aschehaufen. Es ist, als ob die Römer wieder Tullius Destruktivus auf Mission entsandt hätten, aber diesmal gegen die Germanen statt auf die Gallier angesetzt. Ziel der Mission: Der ganz große Streit!

Begriffserklärung:

Framing (Einrahmung) bedeutet, dass unterschiedliche Formulierungen einer Botschaft – bei gleichem Inhalt – das Verhalten des Empfängers unterschiedlich beeinflussen. Das ist ein Effekt, der sich mit der Theorie der rationalen Entscheidung nicht erklären lässt.

 

Beispiel: Man kann als Botschaft verbreiten “Wer raucht, stirbt schneller!” diese negative Formulierung kann beim Empfänger Verlustängste auslösen. Man kann dieselbe Botschaft aber auch positiv formulieren, etwa “Wer aufhört zu rauchen, lebt länger!”, was beim Empfänger gewiss andere Empfindungen auslösen kann, obwohl die Botschaft letztlich dieselbe ist. 

Framing – Links gibt es keine Wirtschaftskompetenz

Jedenfalls, Framing durchsetzt zunehmend unser ganzes Leben, in der Werbung sowieso. Vergleichsweise neu ist die Anwendung in der Politik. Framing vereinfacht nämlich den politischen Diskurs. Man muss nur oft genug “linke Politik” mit “Ahnungslosigkeit” in volkswirtschaftlichen Dingen verbinden, schon haben “Linke” grundsätzlich keine Ahnung von Wirtschaft – was zwar auch stimmt, aber nur rein zufällig.

Es gab und gibt halt noch nirgends ein florierendes, freiheitliches, von Linken erfolgreich regiertes Land. Dass linke Inkompetenz in der Ökonomie als Axiom unbestritten ist, ist dem jahrzehntelangen, erfolgreichen Framing seitens der Wirtschaftsmächtigen zu verdanken, die sich vor Vergesellschaftung fürchten. Gerade erleben wir, wie das ölreichste Land der Welt, das linksregierte Venezuela, vor die Hunde geht. Jedenfalls so “geframed” muss man mit Linken über Wirtschaft gar nicht mehr sachbezogen diskutieren. Es genügt, diesen ihre Ahnungslosigkeit um die Ohren zu hauen. – Klappe zu, Affe tot.

Framing – Kritik an Flüchtlingspolitik = Rechtspopulist

Das funktioniert auch umgekehrt: Wer mit Blick auf die Flüchtlingskrise Bedenken darüber äußert, ob es gut sein kann, völlig inkompatible Kulturen auf einander loszulassen, der gilt heute unmittelbar als Rechtspopulist oder gar schon als Nazi – ohne jede Rehabilitierungsmöglichkeit. Man muss mit solchen Leuten gar nicht mehr über das Thema diskutieren. Dass die Menschheit mit MultiKulti noch nie auf Dauer gute Erfahrungen gemacht hat, ist völlig bedeutungslos. Selbst Sahra Wagenknecht, das intellektuelle Schwergewicht der LINKEN, musste am eigenen Leib erfahren, dass im Mobbing und Burn-out enden wird, wer vom Migrations-Mainstream abweichende Auffassungen offen vertritt. 

Framing – die Mitte ist an Rechtspopulisten verloren

Auf die Spitze trieb es dieser Tage die SPD-nahe “Friedrich-Ebert-Stiftung” (FES) mit ihrer neuen Studie “Verlorene Mitte, feindselige Zustände – Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2018/19”. Darin wird auf 320 Seiten die politische Mitte als bereits rechtsextrem verseucht und somit als “verloren” dargestellt. Wir sind also wieder bei den beiden Schubladen zu Beginn des Beitrages. Das Framing, das die FES versucht, lautet also:

“Linke Ideen sind gut und richtig, wer davon abweicht ist nicht “links”, sondern gehört mindestens der bereits rechtsextremen Mitte an. Wer uns widersricht, den kann man getrost öffentlich zum Rechtspopulisten degradieren.” 

Zur Erinnerung: Zur politischen Mitte zählt man Menschen, welche üblicherweise den Parteien CDU/CSU, FDP und seit der Agenda 2010 sicher auch der SPD zuneigen. Die FES hat damit ihrer eigenen Trägerpartei kräftig ins Gemächt getreten und das unmittelbar vor den Europawahlen.

Freilich hat die FES auf 320 Seiten nur Unsinn verzapft (wir berichteten), aber diese “Studie” ist als Sammelsurium “alternativer” Fakten nun in der Welt und andere werden sich darauf berufen, sie zitieren und in Fußnoten verewigen. – Sie wird auf diese Weise irgendwann zur angenommenen, virtuellen Wahrheit werden. Und virtuelle Wahrheiten sind auch das eigentliche Ziel von Framing-Maßnahmen. Virtuelle Wahrheiten sind flexibler zu handhaben, als die oft unbequeme, auch noch objektive Wirklichkeit. 

Framing – Klimawandel – Wer nicht glauben will ist ein Ketzter

Besonders die Debatte um die vorgeblich von Menschen verursachte Klimaerwärmung und der atemberaubende Aufstieg der deutschen Grünen zeigen, wie wirkmächtig Framing politisch eingesetzt werden kann. Auch in der Klimadiskussion gibt es nur noch Schwarz-Weiß: Hier die sog. Klimaforscher, die für den Weltklimarat arbeiten, dort die Skeptiker, die als “Klimaleugner” verunglimpft werden. Leute wie ich, die Agnostiker in Klimadingen, wir kommen in der Auseinandersetzung gar nicht mehr vor. Ich war noch nie ein gläubiger Mensch, ich wollte immer hinter die Dinge gucken und wissen statt glauben was andere behaupten. Deshalb bin ich mit Blick auf diese neue Klimareligion weder ein Gläubiger Apostel des Weltklimarates, noch wäre ich in der Lage, die These von der menschengemachten Klimaerwärmung zu bestreiten, schlicht, weil mir die Fakten für eine Festlegung fehlen. Ich muss mich also überraschen lassen, wer am Ende recht hat. Warum?

Nun, in der Tat überzeugen mich weder die auf tönernen Beweissäulen ruhenden Sachstandsberichte des Weltklimarates (IPCC) noch die teilweise durchaus schlüssig wirkenden Gegenthesen der sog. “Klimaleugner”. Denn wenn die Erkenntnisse der Klimaforscher wirklich so unzweifelhaft wären, wie sie behaupten, dann würden sie endlich ihre Beweise der – vor allem der wissenschaftlichen – Öffentlichkeit vorlegen und nicht nur bloßen Glauben für ihre Thesen einfordern. Es wird ja nicht argumentiert mit “hier sind die Beweise!”, es wird argumentiert “unter 97% aller Klimaforscher besteht Konsens” und damit wird schlicht an Glauben appelliert.

Ich weiß nur eines: Wenn meine Physik- und Mathelehrer sich nicht geirrt haben, dann ist das Klima unseres Planeten nach wie vor ein sog. “komplexes, dynamisches System” (KDS). Diese haben die Eigenart, dass sie sich der vollständigen Erfassung aller Einflussparameter und damit jeglicher Vorausberechnung völlig entziehen. Wer anderes behauptet, möge an einem vergleichsweise einfachen KDS, einem Dreifachpendel, den Beweis der Vorhersehbarkeit antreten.

Was die Klimaforscher nur vorlegen können, sind größtenteils ungenaue und vor allem lückenhafte Aufzeichnungen von Wetter- und Klimadaten seit Ende des 19. Jahrhunderts (unser Planet kam da gerade aus der Kleinen Eiszeit zurück). Anhand von in Computermodellen errechneten “Fieberkurven” meinen Sie, den Nachweis für die vom Menschen verursachten Klimaerwärmung in Händen zu halten. Mathematische Modelle sind aber kein Beweise, sie sind allenfalls Indizien. – Deshalb hat es die AfD auch so einfach, sich der allgemeinen Klimahysterie gelassen zu entziehen und öffentlichkeitswirksam die nicht minder erfolgreichen Antipoden zu den Grünen abzugeben.

Andererseits: Dass die Spezie Mensch fast 300.000 Jahre brauchte, damit Mitte der 1950er Jahre 2,5 Milliarden Menschen auf Erden gleichzeitig atmen konnten, es derselben Spezie aber in nur 6 Dekaden gelang, sich auf 7,7 Milliarden gleichzeitig atmender Individuen mehr als zu verdreifachen, scheint in der Klimadebatte keine Rolle zu spielen. Dabei gleicht die Kurve dieser exponentiellen Entwicklung verdächtig jener vom IPCC behaupteten für die Klimaerwärmung. Das macht mich Klima-Agnostiker schon nachdenklich und sollte auch die Skeptiker, besonders aber die sog. Klimaforscher selbst zum Grübeln veranlassen. – Denn wenn das eigentliche Ur-Problem nicht die Kohle- und Gasverfeuerung, Mobilität und Rinderhaltung usw. sind, sondern wenn es unsere eigene Populationsrate ist, dann sind erstgenannte nicht Ursachen sondern Folgen des eigentlichen Problems, genannt Bevölkerungswachstum.

Wenn das so ist, sollten dann die IPCC-Sachstandsberichte nicht auch die Entwicklung der Weltbevölkerung  berücksichtigen und der Politik humanitär unbedenkliche Handlungsempfehlungen zur Begrenzung des Bevölkerungszuwachses an die Hand geben? In wenigen Jahren wird unser Planet 10 Milliarden Menschen verkraften müssen. Alle brauchen Nahrung, das wird zu weiteren Rodungen im Regenwald führen und noch mehr Schlachtvieh wird Methan in die Atmosphäre abgeben. 

Wie auch immer, diese streitlastige Gemengelage – erinnert sei an Destructivus – nützte  bislang vor allen Dingen den Grünen in Deutschland einerseits, die inzwischen Projektionsfläche für alles Mögliche sind – und leider auch der AfD andererseits.  Die bürgerlichen Parteien der Mitte scheinen nur noch hilflos zusehende Zaungäste zu sein.

Den Grünen gab man zu bereitwillig alle Insignien einer neuen Religion für ihre bevorstehende Machtergreifung zur Seite: Die heiligen Sachstandsberichte des Weltklimarates, dessen priestergleicher Missionseifer und Alarmismus , die Drohung zwar nicht mit der Hölle, aber mit der Apokalypse sowie eine junge – wenn auch autistische – Prophetin aus Schweden, deren von ihren neurotischen Eltern initiierten Mindfuck besonders der deutschen Jugend erfolgreich die Sinne zu verwirren vermochte und diesen leider zunehmend die Lebenslust vergällt.

In den meisten anderen Ländern, inkl. in Greta Thunbergs Heimatland Schweden, sind die Zusprüche für den Klimahype bei weitem nicht mehr so ausgeprägt wie in Deutschland. Der kommerzielle Hintergrund um die Aktionen des Mädchens und ihrer neurotischen Eltern wurden von den schwedischen Medien, aber auch über das neue Buch von Gretas Mutter, weitgehend aufgedeckt. Und die schwedischen Grünen schnitten denn auch bei den Europawahlen ziemlich bescheiden ab.

Besser: Geht hinaus in die Welt, lebt und genießt euer Leben

Die Jugend Chinas erfreut sich – anders als unsere Schulschwänzer hierzulande – zunehmender Reiselust und pfeift auf Gretas die Prophezeihungen.

Unbesorgt: China, in your Hand

Ach ja, und die reiselustigsten Bürger unseres Landes, mit sehr großem CO2-Fußabdruck, die findet man unter den Wählern der Grünen. Das sage nicht ich, das meinte der SPIEGEL schon 2014:

SPIEGEL: Bahn predigen, Business fliegen

Oder das deutsche Gesicht der #FridaysForFuture-Bewegung, Luisa Neubauer, die als #LangstreckenLuisa in die Geschichte eingehen wird. Sie kompensiert ihre Reiselust übrigens durch “vegane Ernährung”, weil das eine “strukurelle Frage” … und alles so “ambivalent ist. Aber hören sie selbst:

Ich sage Luisa Neubauer schon mal eine großartige politische Karriere bei den Grünen voraus. Sie bringt wirklich alles mit, was man als erfolgreiche, grüne Politikerin braucht: Jung und weiblich! An ihrer Glaubwürdigkeit und Schlagfertigkeit kann sie ja noch ein bisschen arbeiten. – Immerhin: Peinliche Journalistenfragen mit Worthülsen unbeantwortet zu lassen, hat sie schon ganz gut drauf, auch wenn Körpersprache, Mimik und Gestik und ihre Worte widersprüchlichster Natur und asynchron sind. Sie ist noch jung, gewähren wir ihr noch eine Weile Welpenschutz. 

Stellt sich abschließend die Frage: Warum nur sind immer ausgerechnet die Deutschen so sehr anfällig für neuen, oft völlig überzogenen, ideologischen Bullshit? Warum müssen nun ausgerechnet die Grünen erneut der ganzen Welt erklären “Am deutschen Wesen soll die Welt genesen!”?

Übrigens:

Wird Framing gegen Personen angewendet, um diese in einem ungünstigen Licht erscheinen zu lassen, dann stellt unsere Sprache dafür bessere Begriffe zur Verfügung: “Beleidigung”, “Verleumdung” und “Üble Nachrede”, alle drei strafbewährt.

Foto: pixabay Creative Commons CC0


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