Zur Mitte-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung:

320 Seiten Unsinn

Autor: Kurt O. Wörl

Guten Tag!

Sie sind vermutlich ein Rechtspopulist! Ja, Sie haben richtig gelesen, die Wahrscheinlichkeit, dass Sie “rechtem” Gedankengut nachhängen ist groß – und zwar unabhängig davon, wo Sie sich selbst im politischen Spektrum verorten. Sie bestreiten das? Nun, Sie lesen auf unserer Webpräsenz, also scheinen Sie sich für Themen der politischen Mitte zu interessieren. Und wir Autoren vom NEURONENSTURM, der sich als ein Sprachrohr der bürgerlichen Mitte versteht, wir stecken mit Ihnen im selben Topf. Sehen wir den “Tatsachen” in die Augen: Wenn es stimmt, was “Wissenschaftler” mit der Studie “Verlorene Mitte, feindselige Zustände – Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2018/19” der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) glauben “aufgedeckt” zu haben, dann sind wir Menschen der Mitte an die Rechtspopulisten verloren gegangen.

Sicher haben Sie in den Nachrichten bereits von dieser Studie gehört. Sie hat ja auch ziemlich viel Staub aufgewirbelt. Presse, Funk und Fernsehen haben ausgiebig berichtet. Und Claus Kleber, vom ZDF-heute-Journal, hat bereits ein paar sehr richtige und wichtige Fragen an die Mitautorin Prof. Beate Küpper gestellt. Hier zum Nachsehen:

Nun wollte ich mich aber nicht aufs Hörensagen verlassen, habe mir die Studie von der FES-Webpräsenz heruntergeladen und mich durch die 320 Seiten – im wahrsten Sinne des Wortes – gequält. Resümee: soziologisches Geschwurbel und pseudowissenschaftliches Gebrabbel auf 320 Seiten, gepackt zwischen zwei Buchdeckel. 

Vorweg – ich gestehe: Ich habe Vorurteile und Sie übrigens auch! Jeder hat solche. Sie sind dem Menschen eigen und Teil einer evolutionären Überlebensstrategie in einer gefährlichen Welt. Wer einmal von einem Hund gebissen wurde, der wird bei künftigen Begegungen mit Hunden Abstand halten, und wenn Frauchen oder Herrchen noch so glaubhaft versichern “er will doch nur spielen!”. Wir erziehen sogar unsere Kinder vernünftiger Weise so, dass sie nicht mit Fremden mitgehen und – ob wir es wollen oder nicht – damit konditionieren wir sie darauf, dass man Fremden nicht sorglos vertrauen kann. Wir generieren damit Vorurteile. Das ist natürlich jedem harmlosen Fremden gegenüber zunächst ungerecht, aber es steht nun einmal niemandem auf der Stirn geschrieben, ob man ihm vertrauen kann oder ob er Übles im Schilde führt. Wen wundert es also, dass Menschen bei der Begegnung mit Fremden zunächst Vorsicht walten lassen? Vorsicht vor fremden Menschen basiert immer auf Vorurteilen. Für die Studienmacher sind das jedenfalls Indizien für heimliches, “rechtspopulistisches” Denken. 

Und natürlich haben auch Beate Küpper und ihre Mitautoren Vorurteile und zwar in einem massiven Ausmaß. Sie haben sie mit ihrer “Studie” nun auch für jedermann nachlesbar zu Papier gebracht. Im Ergebnis kam dieses Werk zu dem Befund, die Mitte der Gesellschaft wäre an die Rechtspopulisten verloren.

Für Interessierte, hier kann man die Studie (PDF) herunterladen:

 

Friedrich-Ebert-Stiftung:
Verlorene Mitte,  feindselige Zustände

Interessant ist dabei, dass das Autorenteam auf eine höchst unseriöse Methode setzt (die sie selbst semantisch falsch als “Methodik” bezeichnen), nämlich die der “Petitio Principii” – der Erschleichung des Beweisgrundes, der erfolgreichsten aber zugleich unseriösesten aller Denkmethoden. Im Stile der “Petitio Principii” argumentieren übrigens auch Religionen: “Da ich Gott denken kann, muss es ihn geben.”

Die Autoren der “Studie” gehen nämlich davon aus, dass das Denken direkt zum Sein führt. Sie unterstellen, dass ihre Umfrageergebnisse, also die Aussagen der Befragten, deren reales Denken wiedergibt und, dass dieses Denken zugleich auch Realität wäre. Wenn ich von mir ausgehe: Noch nie habe ich bei Umfragen ohne Wenn und Aber wahrheitsgemäß geantwortet. Warum? Weil Gedanken frei sind, weil ich sie mit niemandem teilen und schon gar nicht der Bewertung anderer preisgeben muss. Folgt man den Studienmachern, dann ist die bürgerliche Mitte bereits rechtspopulistischen Rattenfängern auf den Leim gegangen, etwa weil sie das “Law and Order”-Prinzip hochhalten. Law and Order heißt übersetzt Recht und Ordnung. Ich war im Berufsleben Polizeibeamter, bin hier zugegeben besonders sensibilisiert und kann Ihnen versichern: Ich möchte in keinem Staat leben, in welchem Recht und Ordnung in Frage gestellt und als Indiz für “rechtspopulistische” Gesinnung gewertet werden.

Doch die Studienmacher irren. Es führt kein Weg vom Denken zum Sein. Ich kann mir durchaus in Gedanken einen rosa Elefanten, mit grünen Ohren, blauen Beinen, gelbem Rüssel und lila Stoßzähnen vorstellen. Ich könnte ihn aus meiner Fantasie vielleicht sogar auf Papier malen. Doch sagt dies nichts darüber aus, ob es ein so seltsames Tier auch in der Wirklichkeit gibt. 

So räumen die Autoren der “Studie” zwar ein, dass sich über 80% der Befragten durchaus als Demokraten verstehen, Menschenrechte, die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz befürworten und unser Grundgesetz schätzen und dennoch glauben sie, aus den Antworten der Befragten nicht nur latente Neigungen zu “rechtspopulistischen” Vorstellungen erkannt zu haben und projizieren dies auch noch auf die gesamte bürgerliche Mitte. Das ist im höchsten Maße unseriös. Es ist, als würde man einem Menschen, nur weil in Frust von sich gibt, am liebsten einen ständigen Quälgeist erwürgen zu wollen, unterstellt, er wäre als Mensch bereits an den Personenkreis wirklicher Mörder verloren gegangen. So ein Unsinn!

Ferner missachtet die Studie auch uralte und bewährte Weisheiten: “An ihren Taten sollt ihr sie messen, nicht an ihren Worten”. Maßgeblich alleine ist mein reales Handeln und Verhalten, weil nur dieses auch Auswirkungen auf andere haben kann. Maßgeblich ist, welchen politischen Kräften ich in der Realität meine Stimme gebe, wie ich anderen in der Realität gegenübertrete. Ich weiß nicht, wie oft ich jemandem – ja, durchaus geheuchelt – freundlich begegnet bin, obwohl ich die Person überaus unsympathisch fand und nicht ausstehen konnte. Mein Denken war in solchen Fällen jeweils ein völlig anderes als mein tatsächliches Handeln.

Zudem: Der Mensch ist ein begabter Lügner und Betrüger, das ist seine Natur. Weder mit den Angriffswaffen eines Raubtieres, noch mit den schnellen Fluchtorganen eines Beutetieres ausgestattet, konnte unsere Spezies – in einer Welt voller Raub- und schnellerer Beutetiere – nur durch List, Tarnen und Täuschen überleben. Es gibt Anthropologen, die sogar in diesem Zwang, raffinierter als andere Spezies sein zu müssen, die Ursache für die Entwicklung der menschlichen Intelligenz sehen. Und weil das so ist, weil wir eher selten die reine Wahrheit sprechen, versucht man heute mittels künstlicher Intelligenz aus unserer Körpersprache und Mimik zu lesen, ob wir wahrhaftig sind oder lügen. In den USA sind Lügendetektoren sogar zur Wahrheitsfindung in der Justiz zugelassen. In China ist man schon weiter, die wahre Stimmung der Bevölkerung durch Totalerfassung auf diese Weise zu ermittteln und es gib bereits technische Lösungen auch für Personalverantwortliche in Unternehmen, die analysieren ob Bewerber im Vorstellungsgespräch bei Fragen Stresssymptome zeigen oder nicht. Woher wollen also die “Studienmacher” wissen, wie zuverlässig ihre Umfrageergebnisse sind, auf welche basierend sie glauben, die politische Mitte pauschal abschreiben und damit diffamieren zu können?

Jemand hat sich bereits die Mühe gemacht, den Studienmurks der Friedrich-Ebert-Stiftung gehörig auseinander zu nehmen, und das sehr schlüssig:

ScienceFiles: Der Mitte-Studie-Betrug

ScienceFiles: ARD-Faktenfinder: Der Blödsinn zur Mitte-Studie ist nicht mehr steigerbar

Wie perfide die Studienmacher vorgingen zeigt sich besonders beim Umgang mit den Antworten auf zwei vorgegebenen Thesen aus dem Fragenkatalog:

  1. Bei der Prüfung von Asylanträgen sollte der Staat großzügig sein.
  2. Die meisten Asylbewerber werden in ihrem Heimatland gar nicht verfolgt.

Nun kann man als Mensch mit großem Herz, der es mit der Rechtsstaatlichkeit nicht so genau nimmt, Frage 1 sicher mit “Ja” beantworten – wir haben Meinungsfreiheit. Ich hingegen halte etwas mehr von der Wirkmächtigkeit des Rechtsstaates. Und als entscheidender Beamter oder Richter willkürlich dem eigenen Herzenswunsch entsprechend zu entscheiden, könnte sogar strafrechtliche Relevanz haben. Bei der Prüfung von Asylanträgen hat der Staat schlicht geltendes Recht – ohne Ansehen der Person  – anzuwenden. Entweder es liegt ein Asylgrund vor, dann ist Asyl zu gewähren oder es liegt kein solcher Grund vor, dann ist der Antrag abzulehnen. Damit ist noch nichts darüber ausgesagt, ob ersatzweise legale Einwanderung oder Duldung gewährt werden können. Wer die Frage aber verneint, landet im Rahmen der Studie im Topf “rechtspopulistische” Haltung.

Nicht anders bei Frage 2. Es trifft faktisch schlicht zu, dass die allermeisten Asylbewerber in der Vergangenheit tatsächlich keine wirklichen Asylgründe geltend machen konnten, sondern einreisten, um ein besseres Leben haben. Das ist nüchternes Zahlenwerk. Wer aber der These zustimmt, landete ebenfalls im Topf “rechtspopulistische” Haltung.

Wurden beide Fragen aus Sicht der Studienmacher “rechtspopulistisch” beantwortet, so galt die “rechtspopulistische” Gesinnung gar als verifiziert und gesichert. Ja geht”s noch? 

Eine weitere These, die zur Abfrage von “rechtspopulistischen” Neigungen stand, lautete:

“Sinti und Roma neigen zur Kriminalität”.

Eine Frage, die niemand wirklich mit “Ja” oder “Nein” beantworten kann, weil es dafür schlicht kein Zahlenmaterial gibt. In der Kriminalstatistik der Polizeien wird keine ethnische Zugehörigkeit erfasst. Gäbe es solche Statistiken, dann hinge die richtige Antwort nur von den tatsächlichen Fallzahlen im Verhältnis zur übrigen Bevölkerung ab: Entweder Sinti und Roma wären dann besonders auffällig oder nicht. Und – egal wie dann die richtige Bewertung der These lauten würde – sie ließe trotzdem keine Rückschlüsse auf die innere Haltung des Antwortenden zu. Wahrheit ist Wahrheit ist Wahrheit – und was falsch ist, ist falsch. Erst wenn wider besseren Wissens der These zugestimmt werden würde, ließe das Rückschlüsse auf die Haltung des Befragten zu. Ich jedenfalls könnte dieser These weder zustimmen noch ihr widersprechen, schlicht, weil ich es nicht weiß, ob sie zutrifft oder nicht.

Am Ende drängt sich der Verdacht auf: Die FES-Studie versucht offenbar, dem zunehmenden Gesinnungsdruck seitens des “linken” Spektrums, das weltweit – und besonders in Europa – massiv an Bedeutung verliert, unter einer scheinwissenschaftlichen Tarnkappe Schützenhilfe zu gewähren, nach dem Motto

“Wer unsere Auffassung nicht teilt, der kann künftig ungeniert Rechtspopulist genannt werden und unsere ‘Studie’ liefert die ‘wissenschaftliche’ Untermauerung.”

Die FES-Studie setzt also auf das Prinzip “Schwarz-Weiß”. Du bist entweder ein Menschenfreund (wie wir, die Studienmacher) oder hängst “rechtspopulistischen” Gedanken nach und bist ein Menschenfeind. Graue Zwischenstufen oder gar schöne Regenbogenfarben lässt die Studie gar nicht erst zu. Komplexe Antworten wären wohl auch sehr viel schwieriger auszuwerten gewesen. Ich halte menschliches Denken für sehr viel komplexer, als es sich die Studienmacher vielleicht vorstellen können.

Die Studie sagt jedenfalls insgesamt absolut nichts über die Realität der tatsächlichen Positionierung der politischen Mitte in Deutschland aus. Sie berücksichtigt z.B. auch nicht, dass über 70% der AfD-Wähler diese Partei gar nicht wegen ihrer Ziele wählen, sondern weil sie damit den Politikern der etablierten Parteien wirkmächtig in den Hintern treten können. Wenn 15% AfDler in ein Parlament einziehen, müssen 15% der Abgeordneten anderer Parteien selbiges verlassen. Und das zeigt seit einigen Jahren in der Tat Wirkung, besonders bei der SPD, die erst nach massiver Abstrafung durch den Wähler bereit war, ihre Agenda-Politik wieder einzumotten.

Es wundert nicht, dass die FES-Studie auch aus den Reihen der eigenen Genossen deftigen Gegenwind erfährt. Sigmar Gabriel hält die Studie – zurecht! – für unwissenschaftlich und vermutet, dass die Autoren mit der Studie nur ihren eigenen, bereits feststehenden Dogmen einen “wissenschaftlichen” Anstrich geben wollten.

Der der FES nahe stehenden SPD dürften die Autoren mit ihrer “Studie” – jetzt, kurz vor den Wahlen zum Europäischen Parlament – zudem einen Bärendienst erwiesen zu haben. Schließlich rekrutieren sich die nur 15%-Restwähler, welche der guten alten SPD noch die Stange halten, vorwiegend aus dem Mittespektrum, welche den Studienmachern nach nun an die Rechtspopulisten verloren wären. Die ehemaligen SPD-Wähler “linksaußen” haben sich zu einem großen Teil den Grünen und der Partei “Die Linke” zugewandt. Und nicht wenige suchen tatsächlich inzwischen bei der AfD ihr Heil, wie der ehemalige Sozialdemokrat Guido Reil mit einst tadellosem SPD-Stallgeruch (immerhin Bergmann von Beruf und 26 Jahre SPD-Mitglied) und vorbildlichem sozialen Engagement.

Eine Studie erblickte das Licht der Welt, die selbst für einen Mülleimer noch eine grobe Beleidigung darstellt.

Foto: pixabay Creative Commons CC0


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