Die Selbstüberschätzung der Annalena Baerbock:

“Robert und ich…”

Autor: Kurt O. Wörl

Annalena Baerbock hat wohl eine Zeit harter Lehren hinter sich. Gelernt hat sie: Lügen haben kurze Beine! Man kommt damit, vor allem im Curriculum vitae, nicht weit. Gelernt hat sie, dass nur ein Vor-Diplom und ein einjähriger Masterlehrgang “light”, an der privaten London School of Economics, sie noch lange nicht zur “Völkerrechtlerin” macht. Und dass die Tätigkeit als Webseiten-Pflegerin nicht identisch ist mit dem Job als Büroleiterin, das weiß sie jetzt auch. Man darf zurecht fragen: was genau ist die inzwischen 40Jährige denn eigentlich wirklich von Beruf? Glaubhaft ist bisher nur Ehefrau und Mutter. Ein schwerer Beruf, gewiss, aber doch eher eine Vita, wie man sie allenfalls noch im erzkonservativen Lager für löblich hochhält.

Baerbock musste lernen, dass – ohne jede Regierungserfahrung, überhaupt ohne Erfahrung in einem politischen Amt – Kanzlerin werden zu wollen, zwar eine gewisse Chuzpe verrät aber eben keine Expertise darstellt, sondern eher pathologische Selbstüberschätzung verrät. Und im Moment lernt sie erneut schmerzhaft, dass es einer “Macherin mit Führungsanspruch” nicht gut zu Gesichte steht, mitten im Wahlkampf ein über Stecken per Copy & Paste aus fremder Geistesleistung zusammengeschustertes Buch zu veröffentlichen. Auch wenn diese Dummheit am Ende nicht justiziabel werden sollte, so zeigt dies eben doch eine gewisse Einfältigkeit auf und: Madame duschen offenbar gerne lau und bevorzugen einfache Wege ohne Anstrengung zum Ziel.

Offenbar hat sie auch ein Coaching für Rhetorik und Körpersprache absolviert, aber ihr Personality-Trainer war wohl nicht allzu erfolgreich. Zum Beispiel hätte ihm, wenn sie spricht, das überbordende Gestikulieren, wie das ständige Ausbreiten von Armen und Händen an unpassender Stelle, auffallen müssen, – was die ganze Künstlichkeit und Gezwungenheit ihrer Auftritte für jeden Beobachter offenbart. 

Für ihre unangenehme, knarzige MickeyMouse-Stimme kann sie nichts. Aber auch hier erkennt man, dass sie angestrengt versucht in tieferer Tonlage und langsamer als bisher zu sprechen. Versuche, ihre stets vom Blatt oder Teleprompter abgelesenen Reden zwischendurch doch mal als “freie Rede” erscheinen zu lassen, schlagen praktisch immer wieder fehl und es unterlaufen ihr peinliche Versprecher, die zudem noch als freud’sche Versprecher interpretiert werden können, etwa wenn sie bei der wichtigsten Rede ihres Karrierestrebens – vor der Bundesdelegierten- und Nominierungsversammlung und laufenden Kameras – von “liberalen Feinden” spricht. Auf dem Manuskript stand wohl “Feinde der liberalen Gesellschaft” oder etwas ähnliches. Gesagt aber hat sie, was sie im Innersten von einer antiautokratischen, liberalen Gesellschaft wirklich hält. Am Ende ihrer Murksrede gab sie sich selbst die passende Zensur, als ihr ins noch offene Mikrofon ein ärgerliches “Scheiße!” entwich.

Ihre Rede wirkte auch noch aus anderem Grund einfach banal. Nur einen Tag vorher hielt ihr Mitvorsitzender, Robert Habeck, eine flammende, fulminante freie Rede ohne jeden Makel. Das war eine brillante Rede, ein wahres Feuerwerk, auch wenn ich inhaltlich kaum einer These zustimmen konnte. Im direkten Vergleich konnte deshalb Baerbocks farblose Rede am nächsten Tag nur drittklassig wirken. War das Habecks Rache an Baerbocks “Ich -Will!”? Mir schien es jedenfalls so.

Zweifellos: Habeck wäre der aussichtsreichere Kanzlerkandidat auf allen Gebieten für die Grünen gewesen: Von seiner Bildung, vom Wissen, von der Eloquenz, vom Charisma und vor allem von der Regierungserfahrung her. Dass auch er mitunter peinliches Nichtwissen offenbart, geht dabei meist nachhalllos unter. Er hatte eben nur das Pech, nicht die richtige biologische Ausstattung in der Unterhose zu haben; und bei den turbofeministischen Grünen glaubt man eben traditionell, eine Vulva wäre Expertise für alles.

Was nun, im Zuge der Plagiatsvorwürfe, zusätzlich sichtbar wird, das ist Baerbocks erkennbare Verunsicherung und mangelnde Gelassenheit. Das ist ein Indiz, dass sie sich zunehmend ihrer persönlichen Defizite bewusst wird. Sie kann mit Kritik nicht gut umgehen. Das unterscheidet sie fundamental von Angela Merkel, an der jede noch so harte Kritik stets einfach abprallte. Die “Teflonkanzlerin” flüchtete sich nie in eine Opferrolle, sie hinterließ allenfalls Opfer, vor allem männliche, die sie als Konkurrenten um die Kanzlerschaft wahrnahm. In ZEIT-online titelte heute die Journalistin Anja Maier über Baerbock passend: “Ihr fehlt das Teflon” (Bezahlschranke).

Das wird auch an anderer Stelle sichtbar. Nun, als nominierte Kandidatin für das mächtigste Amt im Staate, sollten ihre programmatischen Sätze eigentlich mit “ich habe vor…” oder “meine Ziele sind …” oder “ich werde …”, etc. beginnen. Sie beginnt solche Beiträge aber – wie vor ihrer Nominierung – weiterhin mit “Robert und ich …”. Und wenn sie ihre Sätze vollendet hat, wirken sie wie aneinander gereihte, auswendig gelernte Phrasen. Helmut Schleich kreierte im “SchleichFernsehen” für Baerbock die passende Umschreibung: sie sei eine Phrasendreschmaschine, meinte er.

Der Sprechautomatismus fällt natürlich auch Medienvertretern auf, die gerne nachhaken, etwa wie sie in einer Koalition ihre Vorhaben durchzusetzen gedenke. Mehr als “Robert und ich …” und die “Richtlinienkompetenz …”, auf die sie erstaunlich oft abhebt, fällt ihr dabei meist nicht ein. Im Grunde ist Baerbock, schon wegen ihrer fehlenden beruflichen Rückfallebene, bereits als Abgeordnete eine einzige Zumutung. Aber solche “Berufspolitiker” gibt es leider viel zu viele in allen Parteien. Sei’s drum.

Annalena Baerbock wird für die Grünen jedenfalls zunehmend zum “Problembär”, der immer wieder “Böcke schießt”. Statt eines kraftvollen Wahlkampfauftaktes verheddert sich die Partei seit Wochen in Abwehr- und Verteidigungskämpfe voll wortreicher Solidaritätserklärungen für ihre Kandidatin, weist Baerbock, der “Macherin”, nun auch noch die Opferrolle in einer angeblichen “Rufmordkampagne” zu und findet weder aus der Defensive noch aus dem dauerhaften Relativieren baerbock’scher Bockschießereien heraus. Die Mitbewerber wird es freuen und außerdem gilt: Wehe dem, der ein Amt anstrebt, dem er nicht gewachsen ist. Und wer sich in der Opferrolle suhlt, erreicht erfahrungsgemäß keine Spitzenpositionen. Die sind stets nur Kandidaten mit Nehmerqualitäten vorbehalten.

Vielleicht hätte sich Annalena Baerbock, bevor sie Robert Habeck ihr “Ich-Will!” verkündete, mit dem Mythos um Ikarus und die deutungsvolle Lehre daraus befassen sollen? Wem keine Flügel gewachsen sind und sich deshalb selbst welche aus Wachs bastelt, sollte erst vorsichtig demütig in Bodennähe üben und nicht gleich übermütig zur, im Zenit stehenden Sonne aufsteigen wollen. Ein Absturz ist fast immer Folge menschlicher Selbstüberschätzung und des Leichtsinns. Als sicherheitsbewusster Segelflieger weiß ich, wovon ich schreibe. 

Bild: Olaf Kosinsky unter der freien Lizenz CC BY-SA


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